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Deutschland/Welt Guttenberg wirbt für neue Afghanistan-Strategie
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Guttenberg wirbt für neue Afghanistan-Strategie
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22:05 20.01.2010
Von Stefan Koch
Deutsche Soldaten der ISAF-Truppe auf einer Patrouillenfahrt in Afghanistan.
Deutsche Soldaten der ISAF-Truppe auf einer Patrouillenfahrt in Afghanistan. Quelle: afp
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Eine Woche vor der Afghanistan-Konferenz in London hob Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberghervor, dass die Sicherheit am Hindukusch „ein afghanisches Gesicht“ bekommen müsse. Der Schlüssel zur Befriedung des Landes liege in einer besseren Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte, wobei der Minister offen ließ, inwieweit die Zahl der deutschen Ausbilder erhöht werden soll. Die Fortschritte bei der Ausbildung müssten genau beobachtet werden, um daraus später „eine Abzugsperspektive“ zu entwickeln.

Ähnlich wie sich bereits Außenminister Guido Westerwelle geäußert hatte, betonte auch Guttenberg, dass die Afghanistan-Konferenz am 28. Januar in London keine reine Truppenstellerkonferenz sein dürfe.

Wie es gestern im Bundestag hieß, will sich die SPD einer Truppenaufstockung – in engen Grenzen – nicht verschließen. „Wenn sauber begründet wird, was zusätzliche Soldaten an zusätzlicher Leistung bringen, dann ist es sicherlich sinnvoll“, sagte der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold. Allerdings könne es höchstens um „ein paar Hundert Soldaten“ gehen. Auch SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier will sich offenbar dieser Position anschließen. Gegenüber der Wochenzeitung „Die Zeit“ sprach sich der frühere Außenminister dafür aus, den Bundeswehr-Einsatz zwischen den Jahren 2013 und 2015 zu beenden. „Wir müssen die einigermaßen beruhigten Distrikte vollständig an Afghanen übergeben.“ Die Ausbildung von Armee und Polizei müssten ebenso verstärkt werden wie der zivile Wiederaufbau: „Und wir müssen uns mit den wichtigsten europäischen Partnern auf die Beendigung unseres militärischen Engagements in einem Korridor zwischen 2013 und 2015 verständigen.“

Indirekt schaltete sich gestern auch Stanley McChrystal, Oberbefehlshaber der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf, in die Bundestagsdebatte ein. In einem Interview der „Bild-Zeitung“ verlangte der amerikanische Viersternegeneral von den Deutschen mehr Risikobereitschaft. Der Norden Afghanistans sei „entscheidend“ für die Stabilität des Landes. „Die Taliban haben die dortigen Zustände genutzt, um sich auszubreiten. Sie wollen den Eindruck vermitteln, dass ihre Bewegung im ganzen Land aktiv sein kann.“ Um diesen Tendenz zu stoppen, müssten die Deutschen stärker als bisher den Kontakt zur Bevölkerung suchen und dürften sich „nicht einigeln“.