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Deutschland/Welt Großdemo gegen griechische Sparpolitik schlägt in Gewalt um
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Großdemo gegen griechische Sparpolitik schlägt in Gewalt um
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14:31 05.05.2010
Etwa 400 Randalierer versuchten am Rande, die Polizeiabsperrungen zu durchbrechen und ins Parlamentsgebäude zu gelangen. Quelle: dpa
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Zehntausende Menschen haben in Griechenland gegen das massive Sparprogramm der Regierung demonstriert. Nach Polizeischätzungen gingen am Mittwoch allein in Athen etwa 100 000 Menschen auf die Straße, die Gewerkschaften sprachen sogar von mehr als 200 000 Teilnehmern. Etwa 400 Randalierer versuchten am Rande, die Polizeiabsperrungen zu durchbrechen und ins Parlamentsgebäude zu gelangen. Die Polizei setzte massiv Tränengas ein, um die Randalierer auseinanderzutreiben. Autonome warfen Steine auf die Beamten.

Nach Angaben von politischen Beobachtern war es eine der größten Demonstrationen der vergangenen 20 Jahre in Griechenland. „Die Diebe sollen jetzt ins Gefängnis“, skandierten Demonstranten. Auch in Thessaloniki und anderen Städten des Landes gingen tausende Menschen auf die Straße. Dort kam es sporadisch ebenfalls zu Ausschreitungen.

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Bereits um Mitternacht Ortszeit waren die Fluglotsen in den Ausstand getreten. Der griechische Luftraum wird bis Mitternacht geschlossen bleiben. Am Morgen schlossen sich die Bus- und U- Bahnfahrer dem Streik an. Busse und Bahnen werden stundenlang in den Garagen bleiben. Aus dem Hafen von Piräus liefen keine Fähren mehr aus. Die Taxifahrer wollten zwischen 10.00 und 16.00 Uhr Ortszeit streiken. Die Staatsbediensteten streiken bereits seit Dienstag für 48 Stunden. Ärzte behandeln nur Notfälle. Nachrichten im Radio und Fernsehen gibt es nicht, weil die Journalisten sich für 24 Stunden am Streik beteiligen.

Viele befürchten, dass weitere Kürzungen bevorstehen. In dem Abkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Griechenland ist nach Angaben griechischer Zeitungen die Rede von weiteren Einsparungen im Jahre 2013 und 2014 in Höhe von knapp elf Milliarden Euro. Woher aber dieses Geld kommen soll, sei im Abkommen nicht genau definiert. „Der Teufel steckt im Detail“, sagen Gewerkschafter immer wieder. Sie vermuten, dass das neue Lasten für die Arbeitnehmer bedeute und dass die Regierung nicht „die ganze Wahrheit“ sagt.

Angesichts der Aktion der Fluglotsen hat Deutschlands führender Pauschalreiseveranstalter TUI einen Ersatzflugplan aufgestellt. Die rund 2500 TUI-Urlauber seien bereits informiert, teilte das Unternehmen in Hannover mit.

dpa