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Deutschland/Welt Gesucht: weiblich, links, mit Sympathie für Olaf Scholz
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Gesucht: weiblich, links, mit Sympathie für Olaf Scholz
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17:40 18.08.2019
Olaf Scholz, Bundesminister der Finanzen, am Sonntag in Berlin: einiges miteinander durchsprechen. Quelle: imago images / Jens Schicke
Berlin

Zwei Tage nach seinem großen Coup sitzt Olaf Scholz auf dem Podium der Bundespressekonferenz in Berlin und lächelt. Ob er sich über Aufmerksamkeit freut, oder den Auftritt lieber schnell hinter sich bringen will, ist nicht ganz klar. Sicher ist nur: Ihm hören jetzt wieder alle zu. Und das wäre bis vor Kurzem nicht zu erwarten gewesen.

Noch in der vergangenen Woche galt der Bundesfinanzminister als politisches Auslaufmodell. Ende der Karriere - spätestens mit dem von vielen als fast schon zwangsläufigen angesehen Austritt der SPD aus der Großen Koalition in Berlin. Doch seit der “Spiegel” am Freitag enthüllt hat, dass Scholz in das Rennen um die SPD-Führung eingreift, beflügelt der Mann aus Hamburg wieder die Fantasien - und das sowohl in positiver wie auch in negativer Hinsicht.

Manch einer in der SPD ist erleichtert, dass mit Scholz wieder etwas Ernsthaftigkeit in den zuletzt unfreiwillig komisch wirkenden Prozess der Vorsitzendensuche zurückkehrt. Andere fürchten, dass die Partei ihre Chance auf einen Neuanfang nun schon wieder verspielt. So oder so: Scholz hat vieles verändert.

Wer ist die Frau an seiner Seite?

Jetzt aber muss er aber erst einmal Fragen beantworten, und da am Sonntag “Tag der offenen Tür” der Bundesregierung ist, sind es nicht in erster Linie die Journalisten, sondern vor allem die Besucher, die diese Fragen stellen dürfen. Vor allem eine Frage interessiert nun viele: Mit welcher Frau wird Olaf Scholz in Rennen ziehen?

Er selbst beantwortet die Frage an diesem Tag nicht. Erst einmal gelte es, einiges miteinander durchzusprechen, sagt der 61-Jährige. “Es ja nicht nur wichtig, dass man gemeinsam kandidiert”, sagt er. “Man macht das ja auch, um am Ende Erfolg zu haben.”

Das Rätselraten in der SPD ist natürlich längst in vollem Gange, zumal die meisten prominenten Sozialdemokratinnen inzwischen abgesagt haben. Familienminister Franziska Giffey hat in einem Brief an die kommissarische Parteiführung erklärt, dass sie auf eine Kandidatur verzichtet. Die Ministerpräsidentinnen Manuela Schwesig und Malu Dreyer sollen intern keinen Zweifel daran lassen, dass sie nicht wollen.

Also schießen die Spekulationen ins Kraut. Wird es Svenja Schulze, die Kabinettskollegin und Bundesministerin für Umwelt und Verbraucherschutz? Schulze wäre ein Zeichen der Erneuerung, außerdem kommt sie aus dem wichtigen SPD-Landesverband Nordrhein-Westfalen, allerdings gilt sie bislang nicht gerade als politisches Schwergewicht.

Manche tippen auf einer Vertreterin aus der Wissenschaft. Jutta Allmendinger etwa, die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, wurde in der SPD schon für alles Mögliche gehandelt. Bislang allerdings hat sie den Wechsel in die aktive Politik gescheut.

Ein Hamburger Duo für die SPD? - Eher unwahrscheinlich

Auch in seinem eigenen Hamburger Landesverband könnte Scholz sich umschauen. Seine Nachfolgerin als Hamburger SPD-Vorsitzende, Arbeitssenatorin Melanie Leonhard, gilt als Frau mit Zukunft. Der Nachteil: Ein reines Hamburger Duo würde wohl in der südlichen SPD auf wenig Gegenliebe stoßen.

Ein echter Paukenschlag wäre es, wenn Olaf Scholz Katarina Barley für eine Doppelkandidatur gewinnen könnte. Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlamentes würde Scholz gut ergänzen - sie könnte vor allem beim linken SPD-Flügel punkten, außerdem genießt sie bei jüngeren Frauen großen Rückhalt. Allerdings hat Barley bei der jüngsten Europawahl das schlechteste SPD-Ergebnis aller Zeiten eingefahren.

Notfalls könnte Scholz doch auch einfach mit seiner Ehefrau antreten, der Brandenburger Bildungsministerin Britta Ernst, witzeln einige Genossen. Und ganz Verwegene nennen noch einen weiteren Namen: Andrea Nahles. Zumindest letzterer Vorschlag stammt dann aber wirklich aus der Kategorie schlechter Humor.

Auf den Magen geschlagen

Bei dem Auftritt von Scholz am Sonntag wird eher weniger gelacht. Fast schon pathetisch wird Scholz, als er begründet, warum er sich nun umentscheiden hat - schließlich hatte er doch den SPD-Vorsitz für zeitlich unvereinbar dem Amt des Finanzministers erklärt.

“Manchmal muss man sich die Dinge, die man sich überlegt hat, anders überlegen, weil das die Verantwortung gebietet”, sagt Scholz nun. Der Zustand der SPD, der Niedergang in den Umfragen, schlage ihm auf den Magen. “Ich habe jetzt den Eindruck gehabt, es wäre nicht verantwortlich, wenn ich jetzt nicht sagen würde, ich will das machen.”

Es gehe jetzt nicht um seine persönliche Belastung, sagt Scholz noch. “Es geht jetzt darum, wie die älteste demokratische Partei des Landes die Aufgaben des 21. Jahrhunderts bewältigen kann.”

Aus seiner Sicht ist die Antwort darauf klar: mit ihm.

Von Andreas Niesmann/RND

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