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Deutschland/Welt Gedenken an die getötete Ägypterin Marwa El Sherbiny
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Gedenken an die getötete Ägypterin Marwa El Sherbiny
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16:12 11.07.2009
Der Eingang zur deutschen Botschaft in Teheran wurde aus Protest im Fall Marwa El Sherbiny von islamistischen Studenten mit einem Hakenkreuz und einem Davidsstern beschmiert. Quelle: Atta Kenare/afp
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An der Kundgebung nahmen unter anderem SPD-Chef Franz Müntefering, der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, und der ägyptische Botschafter Elsayed Ramzy Ezzeldin Ramzy teil. Viele Bürger legten weiße Rosen „als Zeichen des Respekts vor dem Opfer und für ein friedliches Zusammenleben der Gesellschaft“ auf der Rathaustreppe nieder.
Ein 28-jähriger Russlanddeutscher hatte die 31-jährige Zeugin in der vergangenen Woche während einer Verhandlung erstochen und ihren Ehemann mit einem Messer schwer verletzt. Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich um einen ausländerfeindlichen Einzeltäter. Dieser war in Berufung gegangen, nachdem gegen ihn wegen Beleidigung der Ägypterin als „Islamistin“ und „Terroristin“ eine Geldstrafe in Höhe von 780 Euro verhängt worden war. Der Mordfall hatte in Ägypten für großes Aufsehen gesorgt und anhaltende Proteste ausgelöst.
Einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“ zufolge sagte der Täter in der Gerichtsverhandlung, dass „nichteuropäische Rassen“ kein Recht hätten, in Deutschland zu leben. Daraus habe er sein Recht ableiten wollen, die in Dresden als Apothekerin tätige Ägypterin als „Islamistin“ und „Terroristin“ zu beleidigen. Vor Gericht habe er gesagt: „Ich finde es nicht in Ordnung, dass diese Monster nach dem 11. September nicht rausgeschmissen wurden.“
Der Zentralrat der Muslime forderte unterdessen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, auf die Muslime zuzugehen. Merkel, die sich auf dem G8-Gipfel in Italien dem ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak ihr Beileid ausgesprochen hatte, solle sich auch „direkt an die mehr als vier Millionen Muslime hierzulande wenden und den brutalen rassistischen Mord aus islamfeindlichen Motiven verurteilen“, sagte Mazyek dem Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“. Dies wäre „ein wichtiges und gutes Signal“.
Die SPD-Islambeauftragte Lale Akgün sagte, es gebe noch „viele Vorurteile gegen den Islam“. Es müsse „sehr viel Aufklärungsarbeit“ geleistet und dafür gesorgt werden, dass „der Islam auch als eine Weltreligion in ihrer Gesamtheit wahrgenommen wird“.

ddp