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Deutschland/Welt Gauck vor der Wahl
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Gauck vor der Wahl
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06:17 19.03.2012
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NOCH KEIN PRÄSIDENT: Freitag sprach Gauck bei der Synodentagung der mecklenburgischen Landeskirche in Plau am See. Quelle: Rainer Cordes
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Berlin

So viele Parteien und Gruppen von Wahlfrauen und Wahlmännern hatte noch kein Kandidat für das Bundespräsidentenamt hinter sich versammelt. Für Joachim Gauck haben sich ausgesprochen: CDU, CSU, SPD, FDP, Grüne und jetzt auch noch die zehn Delegierten der Freien Wähler. Was kann da noch schiefgehen?

Der elfte bundesdeutsche Präsident sagte am Freitag bei einer Art heimischer Abschiedsrunde vor der Synode der mecklenburgischen Landeskirche, Angst und Furcht seien menschlich, würden aber nichtweiterhelfen: "Angst macht kleine Augen und ein enges Herz." Mit ihm, so der An-spruch, könne aber die Zivilgesellschaft trainieren, "sich nicht von Angst leiten zu lassen".

Am Sonntag wird der 72-Jährige zunächst zur Ehrentribüne auf der Empore des Plenarsaals des Reichstages geleitet werden. Unten drängeln sich theoretisch 1240 Wahlbeauftragte, zur Hälfte aus dem Bundestag, zur anderen Hälfte aus den Landesparlamenten. Nach erfolgter Wahl bittet der Bundestagspräsident auch Joachim Gauck nach unten. Dort steht ein Stuhl bereit, exakt in der Mitte des Saals, damit keine der hinter ihm aufgereihten Fraktionen behaupten kann, der neue Präsident sei "ihr" Mann.

Es folgt die Frage, ob man gedenke, das Amt anzunehmen. Mit einem Ja hat die Bundesrepublik ab dieser Sekunde ein neues Staatsoberhaupt.

Ärger gab es zeitweilig über die Delegierten aus der Abteilung NPD. Jeweils eine Dreier-Stuhlgruppe ist ganz hinten im Saal links und rechts einer Tür platziert. Vor ihnen die Grünen beziehungsweise die Union. Da saßen sie auch schon 2010. Dieses Mal wehrten sich die vor ihnen platzierten Fraktionen. Die Grünen haben einen Angehörigen der Opfer der rechtsterroristischen Mordserie als Wahldelegierten in ihren Reihen, die Union verwies auf eine Türkin in ihrer Gruppe, die eine Angehörige des rechtsradikalen Brandanschlages von Solingen von 1993 ist. Es blieb am Ende beim Protest.

Alles in allem werden morgen Kosten von rund einer Million Euro entstehen. Die Summe taucht bisher in keinem Haushalt auf, da ja niemand wissen konnte, dass es so schnell schon wieder ernst werden würde.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wird den Scheck wegen außergewöhnlicher Aufwendungen gegenzeichnen müssen.