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Deutschland/Welt Gauck geht auf Vorstellungstour
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Gauck geht auf Vorstellungstour
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09:41 08.06.2010
„Wer sollte da nicht überrascht sein?“ Joachim Gauck am Montag in Berlin auf dem Weg zu einer Vorstandssitzung der Grünen.
„Wer sollte da nicht überrascht sein?“ Joachim Gauck am Montag in Berlin auf dem Weg zu einer Vorstandssitzung der Grünen. Quelle: dpa
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Er lege freilich größten Wert darauf, dass er keinen Wahlkampf mache, sagte Gauck am Montag bei Vorstellungsbesuchen in den Parteizentralen von Grünen und SPD in Berlin.

Gauck äußerte sich angetan über die Sympathiewelle für ihn, die am Wochenende in den Medien und durch Äußerungen von Politikern aus verschiedenen Parteien spürbar wurde. „Wer sollte da nicht überrascht sein?“, sagte der frühere Stasi-Aufklärer bei den Grünen. Auf die Frage, wie viel Unterstützung er denn bei Union und FDP verspüre, antwortete Gauck: „Da habe ich viele Freunde und viele Kontakte.“

Im SPD-Präsidium ist Gauck einstimmig für die Wahl zum Bundespräsidenten nominiert worden. Bei der anschließenden Sitzung des 45-köpfigen Parteivorstandes gab es dann eine Enthaltung. Sie stammt nach Angaben von Teilnehmern von dem Parteilinken Björn Böhning. Gauck habe bei seiner Vorstellung im SPD-Vorstand erklärt, er wolle ein Präsident sein, der die Bürger zum Mitwirken an der Demokratie animiere, berichtete Generalsekretärin Andrea Nahles. Sein zentrales Thema werde die Stärkung der Demokratie sein. Zwar sei die Frist bis zur Wahl kurz, aber sie reiche aus, um das Profil Gaucks als „streitbarer Demokrat“ deutlich zu machen.

Die Reaktionen auf die Nominierung Gaucks ermutigten sie zu der Annahme, dass Bewegung in das Rennen um die Präsidentschaft gekommen sei, sagte Nahles weiter. Natürlich wisse die SPD um die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung. Es sei doch schon ein großer Erfolg, dass darüber debattiert werde, wie ein Präsident sein und welche Qualitäten er einbringen müsse.

Die Linke will heute eine eigene Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl präsentieren. „Wir wollen eine Frau nominieren“, sagte Parteichefin Gesine Lötzsch am Montag in Berlin. Der geschäftsführende Vorstand habe dem Vorschlag, eine eigene Kandidatin aufzustellen, einhellig zugestimmt. Nahles kommentierte dies mit den Worten, SPD und Grüne hätten nicht versucht, sich mit den Linken zu verständigen. Eine Einigung sei bei der Person Gauck auch „sehr unwahrscheinlich“ gewesen.

Reinhard Urschel