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Deutschland/Welt Fußballfieber statt Boykott
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05:33 13.06.2012
FUSSBALL STATT POLITIK: Der ukrainische Präsident Viktor Jakunowitsch (links) mit UEFA-Präsident Michel Platini in Kiew.
FUSSBALL STATT POLITIK: Der ukrainische Präsident Viktor Jakunowitsch (links) mit UEFA-Präsident Michel Platini in Kiew. Quelle: Kerim Okten
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Berlin

Das wird sich ändern, sobald es Richtung Finale geht. Die Regierungsflieger füllen sich - inoffiziell.

So hält es Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) kaum noch in Deutschland: „Jetzt steht der Fußball und die Europameisterschaft im Vordergrund“, sagt er. „Die Politik hat im Vorfeld eindeutig protestiert. Sobald die Vorrunde vorbei ist und wir weiter im Spiel sind, was ich hoffe, reise ich zu jedem Spiel der DFB-Mannschaft. Jetzt ist der Sportminister gefordert.“

Der grüne Europaabgeordnete Werner Schulz ist bereits in der Ukraine: „Statt eines De-facto-Boykotts sollten wir die Chance der EM für einen Besuch des Landes und Gespräche mit Politikern und Bürgern nutzen. Fußballfans, Politiker, Sportfunktionäre und Sportler sollten die Chance nutzen und sich vor Ort für die Achtung der Menschenrechte, für Gerechtigkeit und Demokratie einsetzen.“

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) erhofft sich von der EM „insgesamt nicht nur sportliche Höhepunkte, sondern auch Unterstützung für unser Bemühen um einen fairen Prozess und eine angemessene medizinische Behandlung für Frau Timoschenko“. Linken-Chefin Katja Kipping wünscht sich ein erfolgreiches deutsches Spiel in Charkow. „Ich wünsche mir außerdem, dass Bundestrainer Joachim Löw die Öffentlichkeit nutzt und klare Worte zu den Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine, vor allem im Fall Timoschenko, findet.“

Grünen-Chefin Claudia Roth hat sich über „unmissverständliche“ kritische Aussagen zur Lage in der Ukraine von Spielern und Trainer gefreut. Nun sollte sich das Team „auf das Spiel konzentrieren und dabei vollen Einsatz zeigen“. Wichtig sei, dass der politische Druck auf die Ukraine nach der EM nicht aufhören dürfe.

Markus Löhning (FDP), Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung, hofft auf „eine tolle Geste, wenn Präsident Janukowitsch die inhaftierte Julia Timoschenko für eine angemessene medizinische Behandlung nach Deutschland ausreisen ließe“. Politikerreisen zur EM seien nicht grundsätzlich falsch. „Manchmal kann es helfen, die Forderung nach der Einhaltung der Menschenrechte vor Ort persönlich zu überbringen.“

Stefan Müller (CSU) erwartet sich mehr Zeichen des Protestes von den Fußball-Funktionären: Die Fußballspieler selbst hätten ihr Zeichen vor Beginn der EM gesetzt. „Jetzt sollen sie spielen und hoffentlich gewinnen.“

David McAllister, CDU-Ministerpräsident von Niedersachsen, sagt: „Sportler sind keine Politiker. Ihr Ziel ist der sportliche Erfolg. Dafür müssen sie kämpfen.“ Mit ihrem Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz habe die DFB-Elf „ein starkes Zeichen gesetzt. Das war eine wichtige Geste, die nicht nur in Polen, sondern weit darüber hinaus sehr positiv aufgenommen worden ist.“