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Deutschland/Welt Friedlicher Kapitalismus-Protest im Regierungsviertel
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Friedlicher Kapitalismus-Protest im Regierungsviertel
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21:26 15.10.2011
Das Bündnis „Global Change“ hatte den 15. Oktober weltweit zum Aktionstag einer globalen Gesellschaftskritik erklärt. Quelle: dpa
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Berlin

Das Regierungsviertel in Berlin stand am Samstag ganz im Zeichen des globalen Protests. „Wenn das Volk kein Brot hat, soll es doch Kekse essen“, stand auf dem Schild des Krümelmonsters aus der Sesamstraße. Der Kostümierte war einer von Tausenden in Berlin, die gekommen waren, um gegen das Finanzsystem zu protestieren. Nach Veranstalterangaben beteiligten sich 8000 bis 10.000 Menschen am Zug vom Alexanderplatz zum Kanzleramt.

Das Bündnis „Global Change“ hatte den 15. Oktober weltweit zum Aktionstag einer globalen Gesellschaftskritik erklärt. In rund 1000 Städten von 82 Ländern wollten Menschen auf die Straße gehen. Die Berliner Anmelderin Melanie Seeland zeigte sich “überwältigt, dass so viele gekommen sind“. Den Teilnehmern ging es um soziale Gerechtigkeit. Die Macht der Finanzmärkte müsse gebrochen werden, denn die Wirtschaft, so der Grundtenor, regiere die Politik. Im Kern forderten die Demonstranten deshalb weltweit dasselbe, rief einer der Veranstalter vom Demo-Wagen: Demokratie müsse direkt und nicht länger nur über Repräsentanten funktionieren

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Nach Angaben der kapitalismuskritischen Gruppe Attac seien in 50 Städten in Deutschland am Nachmittag bis zu 40 000 Menschen auf die Straße gegangen, darunter auch viele tausend in der Bankenstadt Frankfurt am Main. In der Hauptstadt waren die Themen, welche die Demonstranten bewegten, darüber hinaus breit gestreut: Neben dem Ende der Atomkraft und der Regenwaldrettung fand auch der Protest gegen die Co2-Einlagerung in Brandenburg Raum sowie Forderungen nach mehr Sozialismus oder auch Solidarität mit den Streikenden vor der Berliner Charité.

Zu den Organisatoren gehörte unter anderem auch die , die am Nachmittag parallel zur Demonstration eine „Krisenanhörung“ im Berliner Grips-Theater veranstaltete. Dort diskutierten unter anderen gesellschaftliche Vertreter aus Krisenländern wie Griechenland und Spanien über Ursachen und Wege aus der Misere. Auf dem Mariannenplatz in Kreuzberg wurde ein kleines Festival mit einer Bühne und Bands organisiert.

Nach Polizeiangaben blieb die Demonstration friedlich, auch wenn es auf dem Weg zum Kanzleramt zu Tumulten kam, als sich eine Gruppe von rund 200 Protestlern aus dem Zug löste und über die Wiese auf den Bundestag zustürmte. Dort bauten die Aktivisten kurzzeitig die Gitterabsperrungen ab und riefen „Occupy Bundestag“, was an den Slogan der US-Amerikanischen Bewegung „Occupy Wall Street“ (Besetzt die Wall Street) erinnerte.

Demo-Anmelderin Seeland distanzierte sich von der Aktion. „Das war nicht von uns geplant“. Bei der Abschlusskundgebung vor dem Kanzleramt rief ein Mitglied der Gruppe dazu auf, vor dem Bundestag zu campieren. Am frühen Abend war es einigen Aktivisten gelungen, provisorisch mehrere Zelte zu errichten. Nach gescheiterten Verhandlungen begann die Polizei mit der Räumung. Ein Sprecher sagte der Nachrichtenagentur dpa, es gebe dabei „keine großen Auseinandersetzungen“. Auch in New York campieren Aktivisten und halten einen Teil des Finanzdistrikts besetzt.

dpa