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Deutschland/Welt Nobelpreis geht an Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed
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16:01 11.10.2019
Abiy Ahmed, Ministerpräsident von Äthiopien, ist der diesjährige Nobelpreisträger. Quelle: Kay Nietfeld/Britta Pedersen/dpa/Montage RND
Oslo

Der Friedensnobelpreis 2019 geht an den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed. Er werde für seine Bemühungen um Frieden und internationale Zusammenarbeit, insbesondere für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem benachbarten Eritrea, teilte das norwegische Nobelinstitut am Freitag mit.

Abiy Ahmed habe in enger Zusammenarbeit mit dem Präsidenten von Eritrea, Isaias Afwerki, die Grundsätze eines Friedensabkommens erarbeitet, um den Konflikt zwischen den beiden Ländern zu beenden. In Äthopien selbst habe er wichtige Reformen eingeleitet, die vielen Bürgern Hoffnung auf ein besseres Leben geben würden. Der Ministerpräsident versuche, Versöhnung, Solidarität und soziale Gerechtigkeit zu fördern, heißt es in der Begründung des Nobelpreiskomitees.

Dennoch ist der 43-Jährige umstritten: Im Sommer dieses Jahres scheiterte ein Putschversuch gegen seine Regierung; Soldaten griffen eine Regionalversammlung an und bei einem Attentat wurde der Heereschef getötet. Im Juni 2018 wurde auf Abiy selbst eine Handgranate geworfen, auch bei dem Vorfall gab es Tote und Verletzte.

Weiter hieß es, mit der diesjährigen Auszeichnung würden auch alle Akteure gewürdigt, die sich für Frieden und Versöhnung in Äthiopien sowie in den ost- und nordafrikanischen Regionen einsetzten.

Äthiopier Abiy Ahmed erhält Friedensnobelpreis

Abiy Ahmed bezeichnete den ihm verliehenen Friedensnobelpreis als gemeinsame Errungenschaft aller Äthiopier. „Wir sind stolz als eine Nation“, twitterte das Büro des Regierungschefs am Freitag nach der Bekanntgabe des norwegischen Nobelkomitees in Oslo. Das norwegische Nobelkomitee hatte den diesjährigen Friedensnobelpreisträger vor der Bekanntgabe der Auszeichnung nicht erreicht. Das sagte die Vorsitzende des Komitees, Berit Reiss-Andersen, am Freitag während der Verkündung des Preisträgers in Oslo. „Wenn er mir jetzt zuschaut, möchte ich ihm meine herzlichsten Glückwünsche übermitteln“, sagte sie.

Damit stehen die Nobelpreisträger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden fest. Am Montag folgt abschließend die Bekanntgabe des Wirtschaftsnobelpreises, der als einziger nicht auf das Testament des schwedischen Preisstifters und Dynamiterfinders Alfred Nobel zurückgeht.

Zahlen und Fakten rund um den Nobelpreis

Alle Auszeichnungen sind mit jeweils neun Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert und werden an Nobels Todestag, dem 10. Dezember, überreicht. Während alle weiteren Preise dann in Stockholm verliehen werden, bekommt ihn der Friedensnobelpreisträger traditionell in Oslo. Dort sitzt auch das zuständige norwegische Nobelkomitee, das vom Parlament des Landes ernannt wird.

Die Jury hatte in diesem Jahr die Wahl zwischen 301 Nominierten, unter ihnen 223 Persönlichkeiten und 78 Organisationen. Da die Namen der Kandidaten 50 Jahre lang unter Verschluss gehalten werden, ließ sich über den Preisträger vorab nur spekulieren.

Im vergangenen Jahr erhielten der kongolesische Arzt Denis Mukwege und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad die Auszeichnung für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe.

Der Friedensnobelpreis wurde erstmals 1901 vergeben. Besonders kontrovers diskutiert wurde die Verleihung an den damaligen US-Präsidenten Barack Obama im Jahr 2009. Wir zeigen die Preisträger der vergangenen zehn Jahre.

Die diesjährige Vergabe ist die 100. in der Geschichte des Friedensnobelpreises. Seit der ersten Auszeichnung 1901 gab es in 19 Jahren, vor allem in Kriegs- und Krisenzeiten, keinen Preisträger.

RND/das/dpa/AP/epd