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Deutschland/Welt Finanzminister Wolfgang Schäuble kommt zurück
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Finanzminister Wolfgang Schäuble kommt zurück
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14:41 24.10.2010
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Wolfgang Schäuble ist wieder da. Es ist ein bisschen wie ein Comeback, auch wenn der Finanzminister „nur“ nach drei Wochen aus dem Krankenhaus zurückkehrt. Es ging um mehr, als der 68-Jährige eine Wunde auskurierte, die ihm schon länger Sorgen macht. Denn es gab Spekulationen, der wichtigste Mann im Kabinett könnte sich aus dem Amt zurückziehen. Schäuble ließ dementieren, dass er Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt angeboten hat. Seine Zukunft ist jedoch weiter offen.

Schäuble sollte beim Koalitionstreffen zur Ökosteuer an diesem Sonntag wieder mit an Bord sein. Als wäre ein Beweis nötig, meldet sich der Finanzminister zu Wort. „Es geht mir gut“, sagt er der „Bild am Sonntag“. „Das Problem ist gelöst.“ Auch auf seine politische Zukunft geht er ein. „Ich frage mich stets: Kann ich den Pflichten dieses Amtes gerecht werden? Dazu gehört auch die Frage der Gesundheit.“ Solange er überzeugt sei, dass er es könne, mache er die Arbeit mit Freude. „Wenn ich zu einer anderen Überzeugung käme, müsste ich damit auch leben.“ Und ergänzt: „Alles hat seine Zeit. Ich bin jetzt 68 Jahre alt und seit 20 Jahren querschnittsgelähmt.“

Das Zitat wirft die Frage auf, wie Schäubles Zeitrechnung genau aussieht. Das verrät der Christdemokrat nicht. Es ist nicht das erste Mal, dass er in diesem Jahr im Krankenhaus war. Ein Druckgeschwür, unter dem Rollstuhlfahrer häufig leiden, wollte nicht heilen. Die Wunde nach dem Austausch eines Implantats wurde nun versorgt und genäht. Auch in der Klinik schonte sich Schäuble nicht. „In stabiler Seitenlage“ arbeitete er weiter, stand in Kontakt mit Kanzlerin Angela Merkel und Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (beide CDU).

Während der Zeit im Krankenhaus meldete sich Thomas Schäuble, der Bruder von Wolfgang Schäuble, im Magazin „Stern“ mit drastischen Worten: „Das über halbjährige Wundsein hat ihn zermürbt.“ Und der Finanzminister selbst soll Vertrauten gesagt haben: „Wenn ich nach vier Wochen merke, es geht nicht mehr, ziehe ich die Konsequenzen. Davon hält mich niemand ab.“ Schäubles Sprecher Michael Offer hatte in einer Pressekonferenz zunächst ein deutliches Dementi vermieden. Dann stellte er klar, dass sein Chef kein Rücktrittsangebot gemacht habe - Schäuble hatte sich vom Krankenbett eingeschaltet.

Schon früh wurden dann von seinem Büro Signale für eine Rückkehr ausgesendet. Beim G20-Finanzministertreffen in Südkorea vertrat ihn aber noch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Vier Wochen sollte der Klinikaufenthalt dauern. Diese Auszeit war vorsichtshalber etwas länger berechnet, verriet Schäuble. „Jetzt bin ich ein paar Tage früher wieder da - umso besser.“ Die Rücktrittsdebatten hat er nach eigenen Worten nie als diskriminierend empfunden.

Nun will Schäuble wieder das Ruder übernehmen. Er freut sich auf die Arbeit. Doch die Erwartungen sind hoch, das weiß er. Im Mai sagte er nach einem weiteren Klinikaufenthalt: „Das Land kann es in derart schwierigen Zeiten nur für eine begrenzte Zeit ertragen, wenn der Finanzminister bei wichtigen Terminen fehlt.“

dpa