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Deutschland/Welt Finanzminister Fahrenschon kehrt Politik den Rücken
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Finanzminister Fahrenschon kehrt Politik den Rücken
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11:29 29.10.2011
Georg Fahrenschon will oberster Chef der deutschen Sparkassen werden. Quelle: dpa
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München

Für das politische Bayern ist es ein Paukenschlag, für Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) eine mittlere Katastrophe: Mitten in der Euro-Krise und mitten im Steuersenkungs-Getümmel der schwarz-gelben Koalition in Berlin will Finanzminister Georg Fahrenschon der Politik den Rücken kehren und in die Wirtschaft wechseln. Am 30. November will er sich zum Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) wählen lassen. Und wer Fahrenschon kennt, weiß, dass er nicht kandidieren würde, wenn er sich nicht sicher wäre, am Ende auch tatsächlich gewählt zu werden.

Am Ende ging jedenfalls alles ganz schnell: Am Donnerstag zog sich der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Steffen Kampeter (CDU), aus dem Rennen um den prestigeträchtigen und gut bezahlten Spitzenjob beim DSGV zurück. Und am Freitagabend machte Fahrenschon via „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ seine Kandidatur publik - wenige Tage vor Ablauf der Bewerbungsfrist. Als denkbarer Kandidat war der CSU-Politiker zwar schon länger gehandelt worden - doch erst Kampeters Rückzug beschleunigte die Sache. Neben ihm kandidiert noch der westfälische Sparkassen-Präsident Rolf Gerlach, der aber im DSGV nicht unumstritten sein soll. Der bisherige Verbandspräsident Heinrich Haasis zieht sich Ende April 2012 zurück.

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Für Fahrenschon muss der Job am Ende doch zu verlockend gewesen sein - nicht nur wegen der üppigen Entlohnung. Von „angeblich einer Million Euro Jahresgehalt“ schreibt die „FAZ“ - ein Mehrfaches dessen, was ein bayerischer Minister bekommt. Reizen dürfte Fahrenschon auch die Aussicht, die ständigen politischen Rangeleien, das ständige Feilschen ums Geld hinter sich lassen zu können.

Und reizen dürfte ihn die Aussicht, keinen Chef mehr über sich zu haben. Keinen Horst Seehofer mehr, der erst monatelang die kalte Progression bekämpfen will, nun aber eine Steuerentlastung über den Soli anstrebt - weil das leichter durchsetzbar ist. Fahrenschon, der noch vor wenigen Tagen sagte, eine Einkommensteuerreform wäre fachlich gesehen das einzig Richtige, muss jetzt auf Geheiß Seehofers dessen Soli-Modell genau durchrechnen. Ob er will oder nicht.

Auch dieses Detail zeigt: Mit Fahrenschon geht Seehofers derzeit wohl wichtigster Minister von Bord. Ganz abgesehen davon, dass Bayerns Kabinett im November in Klausur gehen und den Haushalt für 2012 schnüren will - es dürfte Fahrenschons letzter Etat sein.

Fahrenschon hat eine steile Karriere hinter sich: 2007 wurde der Bundestagsabgeordnete Finanzstaatssekretär, nur ein Jahr später Minister. Als erste Amtshandlung musste er die BayernLB retten: Die Bank konnte nur mit einer Zehn-Milliarden-Euro-Finanzspritze des Freistaats überleben. Seither kämpft Fahrenschon als Chef-Aufseher für eine gute Zukunft der Bank.

Bereits 2009 wurde Fahrenschon zum ersten Mal als Bundesminister gehandelt - als Nachfolger von Michael Glos im Wirtschaftsressort. Doch Minister in Berlin wurde damals Karl-Theodor zu Guttenberg. In diesem Frühjahr dann hätte Fahrenschon nur zugreifen müssen: Nach Guttenbergs Rücktritt wollte Seehofer zuerst Innenminister Joachim Herrmann nach Berlin schicken. Als der absagte, fragte Seehofer Fahrenschon. Doch Fahrenschon lehnte ab. Auch seine Frau intervenierte damals bei den Verhandlungen in der Staatskanzlei.

Jetzt also will Fahrenschon doch nach Berlin umziehen - und in die Wirtschaft wechseln. Möglicherweise auch deshalb, weil er sich in der Politik am Ende der Karriereleiter wähnt. Den Vorsitz der mächtigen Oberbayern-CSU beispielsweise holte sich Bundesagrarministerin Ilse Aigner - und nicht Fahrenschon. Auf der Liste von Seehofers Kronprinzen steht er mittlerweile nicht mehr an vorderer Stelle. Hinzu kommt, dass es inzwischen nicht mehr ausgeschlossen ist, dass die CSU nach der Landtagswahl 2013 in die Opposition muss.

dpa