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Deutschland/Welt FDP will das „Maul aufmachen“
Nachrichten Politik Deutschland/Welt FDP will das „Maul aufmachen“
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11:34 23.04.2012
Der Bundesvorsitzende der FDP, Philipp Rösler (rechts), und Generalsekretär Patrick Döring. Quelle: dpa
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Karlsruhe

 Außerdem bejubelte man Rainer Brüderle, Christian Lindner und – in Grenzen – sogar Wolfgang Kubicki und ließ den offiziellen Parteichef Philipp Rösler lange um Anerkennung werben.

15 Jahre lang sollen die neuen liberalen Thesen als FDP-Grundsatzprogramm den Erfolg für die Partei Philipp Röslers ermöglichen. Patrick Döring, der neue Generalsekretär der Liberalen, erhofft sich davon neue programmatische Sicherheit – auch im Abwehrkampf gegen die Piraten. Die Freidemokraten bekennen sich darin zu Wachstum, soliden Finanzen, weniger Staat und – als Antwort auf die Piratenpartei – zu einem neuen Urheberrecht für die digitale Zeit. Manchen Delegierten war der enthaltene Wachstumsbegriff, wie ihn der Parteichef liebt, zu ungenau ausformuliert, aber mit Anträgen wollten sich die Delegierten in Karlsruhe nicht das Leben schwer machen.

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Trotz aller Appelle zur Geschlossenheit war die FDP-Krise aber auch am Wochenende in Karlsruhe zu spüren. Fraktionschef Rainer Brüderle und der NRW-Spitzenkandidat Christian Lindner erhielten bei ihren Reden deutlich mehr Applaus als der Parteivorsitzende.

Erst in der sonntäglichen Mittagsstunde, beim umjubelten Auftritt Brüderles, kam die Stimmung einer fast problemlosen liberalen Freude und Stärke noch einmal auf. Der Fraktionschef forderte mehr Kampfgeist: „Wir müssen aufstehen, uns erheben aus den bequemen Sitzen des Vorstands und das Maul aufmachen – damit man noch mal was anderes in Deutschland hört außer dem linken Gesäusel.“ Deutschland stehe dank der FDP besser da als jede andere Industrienation.

Dass Rösler zu Beginn – direkt nach Kubicki und Lindner – und Brüderle erst am Schluss auftraten, der Jubel zu Beginn und gegen Schluss einprogrammiert schien und zwischendrin eine gewisse emotionale Kühle den Saal befiel, war nicht Ergebnis dunkler Ranküne, sondern Röslers eigener Regieeinfall.

Vor einem Jahr, auf seinem Rostocker Wahlparteitag, hatte Rösler noch brilliert durch lockere Sprüche, freie Rede und muntere Angriffslust („ab sofort wird geliefert“). Der Karlsruher Rösler war das glatte Gegenteil. Extrem laut und hochgradig nervös präsentierte sich der Parteichef.

Irgendwer schien Rösler im Vorfeld gesagt zu haben, man müsse Autorität zeigen durch langsame Gesten, bisweilen böse schauen, nach jedem Halbsatz eine Pause machen und so lange reden, bis der Saal mit warmem Applaus antwortet. Nach 72 Minuten hörte Rösler auf. Zum Ausgleich holte er nach erbrachter Rednerarbeit seine Frau Wiebke auf die Bühne und drückte ihr einen sehr fotogenen Kuss auf den Mund.

Übrigens holte der Hannoveraner Döring, der seit Lindners überraschendem Rücktritt im Dezember kommissarisch im Amt war, mit nur 72 Prozent das schlechteste Ergebnis eines neuen FDP-Generalsekretärs seit 1991. Fast 100 Delegierte nahmen an der Wahl gar nicht erst teil. Dagegen erzielte der neue Schatzmeister Otto Fricke mit fast 98 Prozent ein Traumergebnis. Die Bundes-FDP hat einen Schuldenberg von 8,5 Millionen Euro.

Dieter Wonka

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