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Deutschland/Welt Experten halten Wulff-Auftritt für "desaströs"
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Experten halten Wulff-Auftritt für "desaströs"
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23:42 04.01.2012
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Berlin

"Wenn er sagt, er nimmt das Amt gerne wahr, hat er etwas grundsätzlich falsch verstanden", sagte Kocks am Mittwochabend. Entscheidend sei nicht, ob Wulff Lust habe, Bundespräsident zu sein, sondern ob er dazu in der Lage sei. Dies sei seiner Ansicht nicht der Fall, sagte Kocks: "Wulff ist seinem Amt weder geistig noch moralisch gewachsen."

Wulff habe sympathisch und nett gewirkt. "Aber er hat versucht, den Grundsatz der Pressefreiheit zu verletzen und damit die Verfassung. Das kann er nicht ungeschehen machen, indem er es jetzt auch noch zugibt", sagte Kocks in Anspielung auf Wulffs Anrufe bei der Leitung von "Bild"-Zeitung und Axel-Springer-Verlag.

Nach Ansicht des Publizisten und Wulff-Kenners Hugo Müller-Vogg, der den Präsidenten von der gemeinsamen Arbeit an dem Interview-Buch "Besser die Wahrheit" kennt, hat Wulff mit dem Interview mehr Punkte machen können als bei seiner vorherigen Erklärung. "Er hat eingestanden, Fehler gemacht zu haben. Allerdings hat er diese Demutsgeste durch juristische Spitzfindigkeiten zu den einzelnen Vorwürfen wieder relativiert", sagte Müller-Vogg.

 Nicht überzeugend sei das Argument, Wulff habe als Bundespräsident den Umgang mit den Medien neu lernen müssen. "Er war lange Jahre Ministerpräsident und ist ein Polit-Profi, der wissen müsste, wie man mit der Öffentlichkeit umgeht." Wenn es keine neuen Enthüllungen gebe, habe Wulff nach der neuerlichen Erklärung dennoch die Chance, Bundespräsident zu bleiben. Dies werde aber schwierig, sagte Müller-Vogg. "Es kann auch passieren, dass er zwar im Amt bleibt, aber nur als schwacher Bundespräsident, der das Amt nicht mehr ausfüllen kann." dapd