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Deutschland/Welt Ex-First-Lady geht gegen Rotlicht-Gerüchte vor
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Ex-First-Lady geht gegen Rotlicht-Gerüchte vor
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19:09 09.09.2012
Von Heiko Randermann
Bettina Wulff geht juristisch gegen Gerüchte vor.
Hannover

Die Stimmung war fröhlich in Günther Jauchs erster Talk-Sendung am 18. Dezember 2011 zur noch frischen Wulff-Affäre, als der Moderator plötzlich dem anwesenden Vize-Chef der „Bild“-Zeitung Nikolaus Blome so ganz nebenher eine Frage stellte: Er habe da in der „Berliner Zeitung“ gelesen, die „Bild“ halte eine Geschichte über das Vorleben der Ehefrau des Bundespräsidenten, Bettina Wulff, zurück. Er finde das „besonders interessant“, sagt Jauch, doch Blome bügelt ihn ab: „Das ist kompletter Quatsch.“ Jauch wirkt enttäuscht: „Völlig aus der Luft gegriffen?“ Blome: „Vollkommen.“

Der Großteil der Zuschauer wusste nicht, worauf Jauch angespielt hatte, und so bedienten Hunderttausende nach der Sendung die Internet-Suchmaschinen, die ihnen verlässlich eben jenes Gerücht lieferten, das nun für Aufregung sorgt, aber komplett erfunden ist: Bettina Wulff soll vor ihrer Bekanntschaft mit Christian Wulff als Prostituierte gearbeitet haben. Ein Vorwurf, gegen den sich Bettina Wulff jetzt massiv juristisch wehrt (siehe unten). Nun steht ein weiterer Verdacht im Raum: Ausgerechnet in der Niedersachsen-CDU soll das Gerücht bereits 2006 entstanden sein, um dem damaligen Landeschef der Partei und Ministerpräsidenten Wulff zu schaden. Das schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ am Wochenende - allerdings ohne konkrete Belege zu nennen.

„Der Nährboden für die Verleumdung ist im Reich der niedersächsischen CDU zu suchen“, schreiben die Autoren Hans Leyendecker und Ralf Wiegand. Wulffs Trennung von seiner Ehefrau Christiane im Mai 2006 sei für die konservative Niedersachsen-CDU ein Problem gewesen, heißt es in dem Artikel. Außerdem habe auch das ein oder andere Kabinettsmitglied mit dem Machtmenschen Wulff gehadert - teils, weil man selber gerne Ministerpräsident geworden wäre oder weil man unter Wulffs Machtspielen leiden musste.

Hiesige Beobachter der Landespolitik erinnern sich anders an die bewegten Tage kurz vor dem Sommermärchen 2006, als der als langweilig geltende Herr Wulff plötzlich die Klatschspalten füllte. Nennenswerte konservative Kräfte, die sich an dem Umstand störten, dass Wulffs sich scheiden lassen wollten, gab es damals nicht. Es gab allerdings Fälle in der Vergangenheit, in denen Wulff Scheidungen seiner Mitarbeiter oder Mitstreiter missbilligte und diesen deshalb ein Karriereknick drohte. Dieser Widerspruch sorgte vereinzelt für Kopfschütteln, doch die Mehrheit der CDU-Leute in Hannover hatte eine ganz andere Sorge: dass die neue Beziehung schon bald wieder vorbei sein könnte und der Chef dann vollends blamiert wäre.

Diese Befürchtungen wurden weniger, je länger die Beziehung zwischen Christian Wulff und seiner Bettina dauerten. Dafür kamen allerdings tatsächlich bald darauf eben jene Rotlicht-Gerüchte hoch. In Hannover gab es schon damals eine Reihe von Journalisten, die herauszufinden versuchten, was an diesen Hinweisen stimmen könnte. Und sie stießen auf die selbe Nebelwand wie später die Berliner Kollegen: Immer wieder trifft man Leute, die alles ganz genau wissen und detailliert erzählen konnten - Beweise bleiben aber immer aus. Eine Liste mit Prostituierten aus einem Steuerverfahren machte die Runde. Darauf ist auch eine Studentin namens „Betty“ vermerkt, ohne Nachname. Das war es auch schon wieder mit den Beweisen.

Und natürlich versuchten die Reporter schon damals, die Quelle der Gerüchte zu finden, allerdings ebenso vergeblich. Waren es Wulffs eigene Parteifreunde? Damals wie heute ist es kein Geheimnis, dass Wulff in der Niedersachsen-CDU eine erhebliche Anzahl von Gegnern hatte. Ehemalige Rivalen, die auf der Strecke geblieben, oder Mitarbeiter, die in Ungnade gefallen waren. Die meisten hielten damals still, weil Wulff zu diesem Zeitpunkt auf der Höhe seiner Macht und Beliebtheit als Ministerpräsident war. Sah einer dieser Parteifreunde die Möglichkeit, mit dem Rotlicht-Gerücht Wulffs Saubermann-Image ein paar Kratzer zuzufügen? Aber reicht das schon, um so ein Gerücht in die Welt zu setzen?

Der Geschäftsführer der SPD im Bundestag, Thomas Oppermann, sieht den aktuellen CDU-Landesparteichef in der Pflicht: „David McAllister muss die Vorwürfe schnell aufklären“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

CDU-Generalsekretär Ulf Thiele konterte: „Dass jetzt Herr Oppermann von der SPD im Kielwasser der schlimmen Verleumdungen gegen Frau Wulff die Gerüchteküche gegen die gesamte CDU in Niedersachsen mit ihren fast 70000 Mitgliedern anheizt, ist charakterlos.“ Die SPD wolle aus der Debatte nur politisches Kapital schlagen.