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Deutschland/Welt Die SPD verachtzigtfacht ihr Budget für den Wahlkampf im Internet
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18:00 22.03.2019
Wahlkampfmanager Michael Rüter: Ein Niedersachse verpasst der SPD den ersten digitalen Europawahlkampf. Quelle: SCHROEWIG/News & Images
Berlin

Nein, sein Geburtsjahr macht Michael Rüter nicht zu einem „Digital Native“, einem Mitglied jener Generation, die mit Internet, Smartphones und sozialen Medien aufgewachsen ist. Im gänzlich analogen Jahr 1963 hat der Mann aus Hannover das Licht der Welt erblickt.

Aber Rüter, der als technischer Wahlkampfleiter die Kampagne der SPD für die Europawahl verantwortet, hat verstanden, dass die Welt sich weiterdreht. Und er ist überzeugt, dass Parteien an ihrer Kommunikation im Netz arbeiten müssen, um junge Wähler zu erreichen.

So überzeugt, dass er der alten Tante SPD nun den ersten digitalen Europawahlkampf verpasst, der dem Namen gerecht werden soll. Um den Faktor 80 hat Rüter das Budget für den Wahlkampf in den sozialen Medien erhöht. Standen bei der letzten Europawahl knapp 20.000 Euro für Facebook, Twitter, Instagram und Co. zur Verfügung, sind es dieses Mal 1,6 Millionen.

Kampagnenmotive wie bei Instagram

Da das Gesamtbudget mit rund 11 Millionen Euro stabil bleibt, musste Rüter in den Etats umschichten. In der klassischen Kampagne gab es spürbare Einschnitte. Nicht jeder ist darüber glücklich, aber der Wahlkampfchef hält den Schritt für unverzichtbar, um eine junge und europaaffine Wählerklientel zu erreichen. „Perspektivwähler“ nennt Rüter sie.

Auf deren Bedürfnisse ist auch die Bildsprache der Kampagne zugeschnitten. Einfache Botschaften, Schnappschussperspektiven, warme Farben. Ein Kind am Wasser und das Schlagwort „Klimaschutz“, junge Leute vor dem Pariser Eiffelturm und das Schlagwort „Miteinander.“ Dazu der Claim der Kampagne in Form eines Hashtags: #EuropaistdieAntwort.

Die SPD setzt auf eine positive Ansprache. Der Wahlkampf soll gute Laune machen. „Wir haben aus den Fehlern der Bundestagswahl gelernt“, sagt Rüter.

Süße Minzbonbons stehen hoch im Trend

Ob diese Form der Kampagne auch bei alteingesessenen SPD-Sympathisanten – Rüter nennt sie „Klassik-Wähler“ – verfängt, muss sich allerdings erst beweisen. Um auf Nummer sicher zu gehen, hat der Chefstratege auch klassische Wahlkampfgeschenke wie Kugelschreiber, Luftballons, Feuerzeuge und Gummibärchen im Katalog.

Frühzeitig sind die Materialien bestellbar, damit die Genossen in den Ortsvereinen auch genügend Zeit haben, mit ihnen auf Stimmenfang zu gehen. Besonders beliebt in diesem Jahr: kleine süße Minzbonbons mit der Schachtel-Aufschrift „I love Europe“.

An diesem Samstag nominiert die SPD bei einem kleinen Parteitag ihre beiden Spitzenkandidaten Katarina Barley und Udo Bullmann. Am 3. Mai fällt der Startschuss für die heiße Wahlkampfphase. Schon drei Wochen später wird sich an der Wahlurne zeigen, ob Rüters Strategie erfolgreich war. Für seine Partei hängt viel davon ab.

Lesen Sie auch: Katarina Barley: vom Nobody zur Hoffnungsträgerin

Von Andreas Niesmann

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