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Deutschland/Welt Erreger auf dem Vormarsch
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Erreger auf dem Vormarsch
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21:36 23.07.2009
Die Zahl der gemeldeten Schweinegrippe-Infektionen ist auf mehr als 2400 gestiegen. Quelle: Rainer Surrey
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Unter den deutschen Kommunen liegt die Region Hannover weit vorne: Zehn Neuinfizierte meldete das Gesundheitsamt der Region mit ihren 1,1 Millionen Einwohnern am Donnerstag, die Gesamtzahl stieg damit auf 190 – rund zweieinhalbmal so viele wie in der 3,5-Millionen-Einwohnerstadt Berlin. Der hannoversche Amtsarzt Hans-Bernhard Behrends verwies zur Begründung unter anderem darauf, dass auf dem Flughafen Langenhagen besonders viele Urlauberflugzeuge aus Mallorca landeten, wo H1N1 grassiert. Grundsätzlich könne sich bei einer beginnenden Pandemie die Lage schlagartig ändern: In drei bis vier Wochen, so seine Prognose, würden alle Städte ähnlich stark betroffen sein.

Gesundheitsexperten rechnen damit, dass in den kommenden Monaten bis zu 30 Prozent der Bundesbürger an der H1N1-Influenza erkranken könnten. In Großbritannien wurden bereits bis jetzt mehr als 100.000 Infektionen registriert. Schon im August könnten nach Erwartung von Gesundheitsminister Andy Burnham täglich 100.000 neue Fälle auftreten. Bis zu zwölf Prozent der Arbeitnehmer könnten gleichzeitig ausfallen.

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Die Pharmahersteller GlaxoSmithKline und Novartis arbeiten an der Herstellung eines Impfstoffes gegen die H1N1-Influenza. Die Bundesregierung erwartet die Auslieferung frühestens für Ende September. Trotz gebotener Eile werde das Serum genau getestet, um Risiken so gering wie möglich zu halten, sagte Klaus Theo Schröder, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, am Donnerstag in Berlin.

In einer ersten Charge hat der Bund Serum für 22,5 Millionen Menschen geordert. Vorrangig geimpft werden sollen zunächst chronisch Kranke, Mitarbeiter des Gesundheitswesens und Polizisten. Danach sollen sich auch alle anderen Bürger durch jeweils zwei Injektionen immunisieren lassen können. Die Massenimpfung soll bis zu zwei Milliarden Euro kosten, das Geld kommt aus Fonds der Bundesländer, an denen sich die Krankenkassen beteiligen sollen. Eine Dosis des Grippeschutzes soll mit 14 Euro zu Buche schlagen.

Weltweit hinterlässt die H1N1-Influenza bislang deutliche Spuren. In Kairo haben die Gesundheitsminister der arabischen Länder diverse Einschränkungen bei Wallfahrten von Muslimen nach Mekka angeordnet. Demnach dürfen Menschen über 65, Kinder unter zwölf und chronisch Kranke keine Pilgerreisen mehr in die heilige Stadt unternehmen.

von Daniel Behrendt und Juliane Kaune