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Deutschland/Welt „Er kann atomaren Erstschlag auslösen“
Nachrichten Politik Deutschland/Welt „Er kann atomaren Erstschlag auslösen“
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15:22 22.01.2017
Von Petra Rückerl
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Trump hat bisher viel gebellt. Wird er beißen?

Sicherlich nicht so stark wie wir annehmen. Aber um seine Glaubwürdigkeit bei seinen Wählern zu behalten, wird er es tun müssen. Das Problem sind seine vielen widersprüchlichen Aussagen. Es ist bisher eine „One Man Show“, dahinter verbirgt sich kein ausformuliertes Konzept. Die Gefahr des Isolationismus der USA ist sicher vorhanden, er hat aber auch Signale der Annäherung gegeben, etwa mit Blick auf Russland. Anders als Obama wird er wohl mit Leuten, die er mag, auch schnell reden. Das ist im Prinzip ja nicht schlecht. Ob er dann mit Putin tatsächlich gleiche Interessen hat und man sich etwa beim Thema nukleare Abrüstung oder Krim einig wird, ist die Frage. Viele andere Fragen, etwa seine Positionierung zur Nato, zu Nordkorea oder zum Nahen Osten, sind offen.

Was treibt ihn?

Er ist ein Erfolgsmensch. Es ist nicht die Politik, die Idee, die Konzepte, die ihn treiben, sondern der Erfolg. Mit seiner Regierungsmannschaft muss er sehen, wie er Erfolg erreichen kann. Normalerweise dauert es aber etwa ein halbes Jahr, bis eine neue Regierung tatsächlich handlungsfähig ist.

Bisher heißt sein Rezept „America first“. Ist von seiner Regierung, bestehend aus Militärs und Millionären, mehr zu erwarten?

Man hat den Eindruck, dass es zunächst nicht sehr viel mehr sein wird. Aber verglichen mit Trump sind die Aussagen von General James Mattis als Verteidigungsminister und Rex Tillersen als Außenminister informiert, kenntnisreich und rational. Wenn Trump klug ist, wird er sich mit denen absprechen. Er braucht ja ohnehin einen Regierungsapparat, um etwas umzusetzen.

Trump bekam den Atomkoffer. Beunruhigt Sie das?

Es gibt ihm die Möglichkeit, in einer militärischen Krise den atomaren Erstschlag auszulösen. Vielleicht spielt der Verteidigungsminister dann noch eine Rolle, aber nicht der Kongress. Und er wird sicher auch nicht andere fragen. Und das ist in der Tat höchst beunruhigend.

Was erwartet Europa?

Er hatte gesagt, dass Europa gegen die USA gegründet wurde. Das ist schon eine massive Aussage. Andererseits ist Europa sehr wichtig für die US-Wirtschaft, und Trump ist Geschäftsmann. Wir müssten in Europa eigentlich mit einer Stimme sprechen, aber das ist schwierig zurzeit.

Werte wie Toleranz, Mitgefühl, Rücksicht zählen nicht. Ist Trump eine Ausnahmeerscheinung in der Politik?

Er ist sicherlich als US-Präsident eine Ausnahmeerscheinung. Es gibt Dinge, die sind neu und nur in den USA möglich. Aber es macht keinen Sinn, nur auf die USA zu zeigen. Wir haben ähnliche Entwicklungen in Europa, in der Türkei, auch bei uns in Deutschland.

Kann das die Zivilgesellschaft aufrütteln?

Sie polarisieren auf jeden Fall. Die Frage ist, ob sich die Zivilgesellschaft, die ja eher rechts- und wertebasiert denkt, durchsetzten kann. Das wird ein harter politischer Kampf werden.