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Deutschland/Welt Entwicklungsländer kritisieren mangelnde EU-Hilfe
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Entwicklungsländer kritisieren mangelnde EU-Hilfe
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07:42 14.12.2009
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Die Entwicklungsländer halten den von der Europäischen Union geplanten Beitrag zum Klimaschutz für unzureichend. Der Sprecher der in der Gruppe G-77 zusammengeschlossenen Entwicklungs- und Schwellenländer, der Sudanese Lumumba Di-Aping, sagte der „Frankfurter Rundschau“ vom Montag, die von der EU zugesagte Soforthilfe von 2,4 Milliarden Euro pro Jahr sei viel zu wenig. Für einen ökologischen Umbau in den Entwicklungsländern seien jährlich zwischen 300 und 500 Milliarden Euro erforderlich. Aber die EU werfe nur „Brotkrumen“ hin.

Auch wenn das Geld sukzessive erhöht würde, gäben die EU und die USA „weit mehr Geld für Militär als für Klimaschutz aus“, sagte Di-Aping. Zur Bewältigung der Finanzkrise seien gigantische Summen locker gemacht worden, bei der Klimakrise werde gespart. Di-Aping kritisierte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): „Frau Merkel hat zwei Gesichter. Sie ist zu Hause eine große Ökologin, aber wenn es ums Geld für den Klimaschutz geht, steht sie auf der Bremse.“

Die Industriestaaten müssen ihren CO2-Ausstoß nach Ansicht von Di-Aping bis 2017 um mindestens 52 Prozent und bis 2020 um mindestens 65 Prozent gemessen am Basisjahr 1990 senken. Geschehe das nicht, bedeute dies den „Tod von Afrika“, da die Temperatur dann um 3,75 Grad ansteigen werde und die afrikanischen Länder zum Backofen würden.

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne), die zurzeit ebenfalls am Klimagipfel in Kopenhagen teilnimmt, erwartet von dem Treffen als konkrete Beschlüsse die Verringerung der Treibhausgase bis 2020 um 40 Prozent und bis 2050 um bis zu 95 Prozent. Das erfordere eine doppelte Anstrengung der Industrienationen, sagte sie der „Thüringer Allgemeine“ aus Erfurt. Sie müssten nicht nur selbst die Klimagas-Emission reduzieren, sondern auch den Entwicklungsländern helfen, wobei die Hilfe nicht einfach von der bereits zugesicherten Entwicklungshilfe abgezweigt werden dürfe.

Notwendig sind laut Göring-Eckardt zusätzliche Ausgaben in Höhe von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ingesamt müssten die reichen Länder mittelfristig etwa 110 Milliarden Euro beitragen, um wirklich etwas bewirken zu können. Davon werde Europa ein Drittel tragen müssen. Allein Deutschland müsse jährlich sieben bis zehn Milliarden Euro aufbringen. Dass die EU nur bei einer Beteiligung weiterer Staaten zur Senkung ihres CO2-Ausstoßes um 30 Prozent bereit sei, kritisierte die Grünen-Politikerin als eine Politik des Deals. Solche Deals könne sich die Welt bein Klimaschutz nicht mehr leisten.

afp