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Deutschland/Welt Empfang in Baden-Baden: Obama besucht Deutschland
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Empfang in Baden-Baden: Obama besucht Deutschland
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20:23 03.04.2009
Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama begrüßen die Wartenden in Baden-Baden. Quelle: Michael Kappeler/ddp
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Sofort wird sie von der Polizei umzingelt, ihre rote Tasche wird gründlich durchsucht.

Die Dame schüttelt nur den Kopf. Es ist die 61-jährige US-Amerikanerin Patricia Fieldsteel. Die Schriftstellerin hat in New York neben dem World Trade Center gewohnt, lebt derzeit in Frankreich und weilt für eine Kur in Baden-Baden. Sie hat schon viel Polizei in Manhattan gesehen. „Aber was hier in Baden-Baden aufgeboten wird, war jenseits meiner Vorstellungskraft - das ist verrückt“, sagt sie.

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Allerdings kann sie auch verstehen, dass Deutschland verhindern wolle, dass einem US-Präsidenten hier etwas zustößt. Die Frau war 16 Jahre alt, als John F. Kennedy am 22. November 1963 bei einer Fahrt im offenen Wagen durch die US-Metropole Dallas erschossen wurde. Bei Obama sieht sie ebenfalls ein „Charisma“ wie das des legendären Kennedy. „Auch Obama gibt den Menschen Hoffnung“, sagt Fieldsteel.

Und tatsächlich: Der Zauber wirkt auch in Baden-Baden. Obama lockt die beschauliche Kurstadt aus der Reserve. Bis zum frühen Nachmittag sind zunächst nur einige Hundert Schaulustige an den Leopoldsplatz gekommen. Schließlich säumen die Strecke vom „Leo“ über die Sophienstraße bis zum Marktplatz nach Polizeiangaben jedoch insgesamt rund 2000 Bürger. Als Obama schließlich mit rund halbstündiger Verspätung kurz nach 16.00 Uhr im Konvoi vorbeirauscht, entlädt sich die Spannung der Wartenden in einem schrillen Kreischen.

Der 44. Präsident der Vereinigten Staaten ist zwar nur für den Bruchteil einer Sekunde lachend hinter einem etwas helleren Fenster auf der Rückbank seines hochgesicherten Wagens zu erkennen, aber das genügt den meisten. „Es war klar, dass man nur eine Gestalt am Fenster sieht“, sagt Inken Röhrs, Musikerin aus Hildesheim. Auch der 22-jährige Nicolas und die gleichaltrige Julia aus Forbach im Murgtal zeigen stolz ihr digitales Foto mit den verschwommenen Umrissen des 47-jährigen US-Präsidenten. „Wir dachten nicht, dass wir 30 Meter an ihn rankommen“, sagen sie. Der 13-jährige Vladi meint, er sei eigentlich „nicht so der Politikfreak“. Aber es sei „gut, dass Obama Präsident ist, er ist ein einfach ein cooler Typ“.

Sybille Jäkel hatte hingegen gehofft, „dass Obama den massiven Sicherheitsvorkehrungen ein Schnippchen schlägt und aussteigt“. Sie hatte extra ihr USA-Fähnchen im Auto gelassen, weil sie befürchtete, dass es ihr von der Polizei wegen der Spitze weggenommen würde. „Dafür habe ich jetzt von der Polizei eins in die Hand gedrückt bekommen - mit Spitze“, sagt die 42-jährige Kinderkrankenschwester aus Mannheim. Insgesamt wurden 500 US-Fähnchen „kostenlos verteilt“, wie die Stadt bereits am Donnerstag betonte hatte. Dass keine 10 000 Schaulustigen gekommen sind, wertet Jäkel nicht als Zeichen für mangelnden Enthusiasmus der Baden-Badener: „Viele dachten wohl, sie hätten sowieso keine Chance, Obama zu sehen.“

Die Polizei hatte noch am Freitagvormittag eingeräumt, dass die Innenstadt Baden-Badens „abgeriegelt“ sei. Vier Kilometer der kippsicheren Absperrgitter wurden aufgebaut. Etwa 5000 bis 7000 Polizisten waren in der 54 000-Einwohner-Kurstadt im Einsatz, an beiden Gipfeltagen sind es in Baden-Baden und Kehl auf deutscher Seite insgesamt fast 15 000. Die Einwohner hätten sich die strengen Sicherheitsanforderungen „sehr zu Herzen genommen“, hieß es bei der Polizei

ddp