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Deutschland/Welt Ehepaar Guttenberg auf Überraschungsbesuch in Afghanistan
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Ehepaar Guttenberg auf Überraschungsbesuch in Afghanistan
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19:12 17.12.2010

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist am Montag mit seiner Frau Stephanie zu einem Überraschungsbesuch bei den deutschen Soldaten in Afghanistan eingetroffen. Mit dabei sind die Ministerpräsidenten David McAllister aus Niedersachsen und Wolfgang Böhmer (beide CDU) aus Sachsen-Anhalt. Damit soll nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der Adventszeit ein Zeichen der Verbundenheit mit den Soldaten gesetzt werden.

Es ist der siebte Besuch des Verteidigungsministers in Afghanistan. Zu seiner Delegation gehört auch ein Team um den Fernsehmoderator Johannes B. Kerner. Er will in Afghanistan eine Ausgabe seiner Sat.1-Talkshow „Kerner“ mit Guttenberg aufzeichnen.

Zum ersten Mal wird ein Bundesminister ferner von seiner Gattin bei einem Truppenbesuch in Afghanistan begleitet. Frau zu Guttenberg besuchte am Vormittag zunächst das Lazarett und sprach dann mit Soldatinnen über die Anforderungen für Frauen im Einsatz. Ihr Besuch solle auch verdeutlichen, wie sehr Soldaten im Auslandseinsatz auf den Rückhalt ihrer Familien angewiesen sind, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Urteil über den Einsatz

Das Paar war am frühen Morgen zunächst in Mazar-i-Sharif im Norden des Landes eingetroffen und dann weiter zum Bundeswehr-Feldlager Kundus gereist. Dort traf Guttenberg mit Befehlshabern und Soldaten zusammen, um sich ein Urteil über den Einsatz zu bilden. Kundus gilt seit Jahren als Unruheprovinz in dem von Deutschland verantworteten Nordbereich Afghanistans.

Am 7. Oktober wurde ein in Niedersachsen stationierter 26-jähriger Sanitäts-Oberfeldwebel aus Sachsen-Anhalt bei einem Selbstmordanschlag in Nordafghanistan getötet. Am 29. April 2009 war in der Nähe von Kundus erstmals ein deutscher Soldat bei einem direkten Feuergefecht mit den Taliban gefallen.

Die Bundeswehr ist seit Anfang 2002 in Afghanistan mit Truppen präsent. Zurzeit befinden sich knapp 4.600 Soldaten im Afghanistan-Einsatz.

Opposition wirft Guttenberg Inszenierung vor

SPD, Grüne und Linke haben Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wegen der Afghanistan-Reise mit seiner Frau und einem Talkshow-Moderator Selbstinszenierung auf Kosten der Soldaten vorgeworfen. Die CDU nahm Guttenberg am Montag im Gegenzug in Schutz. Nach Angaben der Bundesregierung geht die Mitreise der Minister-Gattin nicht zu Lasten des Steuerzahlers: Stephanie zu Guttenberg bezahle ihre Reisekosten selbst.

SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte den Afghanistan-Besuch Guttenbergs und seiner Ehefrau „absolut unangemessen“. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, sagte der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Dienstag): „Guttenberg nutzt die Bundeswehr als Kulisse und Dekoration für seine Inszenierungen. (...) So langsam geht ihm auch jegliches Gespür ab, wo die Grenzen sind.“

Grünen-Chefin Claudia Roth hielt Guttenberg vor, er nutze die vorweihnachtliche Kulisse in den deutschen Feldlagern in Masar-i- Scharif und Kundus „für plumpe Eigen-PR“. Während in Berlin über die Bilanz des bisherigen Einsatzes debattiert werde, produziere er strahlende Bilder mit Gattin im Krisengebiet. „Der extra eingeflogene Hofberichterstatter samt Fernsehstudio wird dabei für die gewünschte Verbreitung sorgen“, sagte sie dem „Hamburger Abendblatt“ (Dienstag).

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi sagte dem „Tagesspiegel“ (Berlin/Dienstag): „Afghanistan ist das letzte Land, dass sich für Showbusiness und Entertainment eignet. Die ministerielle PR-Aktion mit Gattin und Talkshowtross verbessert weder die Lage im Land, noch macht sie den von der klaren Mehrheit der Deutschen abgelehnten Bundeswehreinsatz richtig.“ Guttenbergs Selbstinszenierung werde dem Ernst der Lage in Afghanistan nicht gerecht. „Die Soldaten werden so gleich doppelt missbraucht: für einen falschen Krieg und nun auch noch als Staffage auf den heimatlichen Bildschirmen.“

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe nahm Guttenberg in Schutz. Er sei überzeugt, dass die Soldatinnen und Soldaten sowie ihre Familien den Besuch auch der Frau des Ministers als Geste der menschlichen Solidarität verstünden, sagte er in Berlin.

dapd/dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.