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Deutschland/Welt Grün, beliebt und beliebig
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21:20 31.03.2019
Die Gesichter der Grünen: Robert Habeck und Annalena Baerbock, die Vorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen. Quelle: AP
Berlin

Der einstigen Dagegen-Partei fliegen die Herzen zu. Umfragen verorten die Grünen bei fast 20 Prozent, ihr Chef Robert Habeck gilt aktuell als beliebtester Politiker, die Partei wächst im Rekordtempo. Neidvoll fragen sich Sozial- und Christdemokraten, was die Grünen so viel besser machten als sie selbst. Eine Antwort darauf lautet: Harmonie. Nach innen wie nach außen.

Die Parteispitze lebt Eintracht vor. Dies ließ sich am Wochenende beim „Grundsatzkonvent“ gut beobachten, als die Grünen ihre künftigen Leitlinien berieten. Baerbock und Habeck hielten gemeinsam ihre Rede. Sie nickte, als er sprach; er klatschte, als sie sprach. Dem charismatischen Führungsduo gelingt es auch, die Flügelkämpfe zwischen dem linken und dem realpolitischen Teil der Partei in Schach zu halten. Wobei Baerbocks und Habecks bestes Schlichtungsinstrument die guten Umfragewerte sind: Nichts diszipliniert Parteien mehr als die Aussicht auf Erfolg. Und die eigentliche Bewährungsprobe steht ja erst bevor: bei den ostdeutschen Landtagswahlen im Herbst.

Die Grünen profitieren vom Zeitgeist

Gewiss hat auch der Zeitgeist einen guten Anteil am Zuspruch für die Grünen. Seit dem Dürresommer des vergangenen Jahres ist die Dringlichkeit des Klimaschutzes nicht zu leugnen. Freitag für Freitag klagen streikende Schüler die Ignoranz der Politik an. Das Wissen um die drohende Klimakatastrophe ist weit verbreitet. Die wenigsten ändern aber ihr Verhalten und verzichten auf Auto, Flugreise oder Grillwürstchen. Und doch hat sich ein Unbehagen in den Alltag geschlichen. Ein schlechtes Gewissen, das die Grünen gern aufgreifen und zu entlasten wissen.

Baerbock und Habeck verstärken dieses Unbehagen nicht mit apokalyptischen Zukunftsszenarien. Sie wollen keine Angst verbreiten, sondern Zuversicht. Und jeder ist eingeladen, mitzumachen: Die Grünen wollen nicht mehr nur die Öko-Partei fürs linksalternative Milieu sein, sondern „Bündnispartei“ werden, mit der alle über alles reden können – am liebsten am Verhandlungstisch der nächsten Bundesregierung. Die Pose des Protests haben sie abgelegt, niemand soll durch Verzichtsforderungen verschreckt werden. Die neuen Grünen sind geschmeidig im Auftreten und gefällig in den Botschaften. Sie setzen mehr auf Psychologie als auf Politik. Das erklärt ihren Erfolg – und bedroht ihn.

Die Grünen: Beliebigkeit statt Relevanz

Gut möglich, dass es die Grünen mit inhaltlicher Unschärfe weit bringen. Dass sie bis in die konservativsten Kreise der Union hinein ihren Schrecken verlieren und 2021 wieder eine Regierungsbeteiligung im Bund sondieren. Eine grüne Partei aber, die noch bevor der Wahlkampf begonnen hat ihr Profil weichzeichnet und ihre Positionen verwässert, wird wohl kaum viel fürs Klima erreichen können. Beliebigkeit macht vielleicht beliebt. Relevanz verschafft sie nicht.

Von Marina Kormbaki/RND

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