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Deutschland/Welt „Die GSG-9 hat sich zum Gespött gemacht“
Nachrichten Politik Deutschland/Welt „Die GSG-9 hat sich zum Gespött gemacht“
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21:44 04.08.2009
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Nach vier Monaten Geiselhaft ist die Stavanger-Mannschaft nur durch eine Lösegeldzahlung freigekommen. Betrachten Sie das mit einem weinenden und einem lachenden Auge?
Ja. Wir sind alle sehr erleichtert, dass die Geiseln gesund und frei sind. Auf der anderen Seite haben sich die Piraten mit ihrer Lösegeldforderung durchgesetzt. Das Problem der Piraterie wird dadurch nicht kleiner.

Finanziert der Westen mit Lösegeldzahlungen eine Entführungsindustrie?
So ist es. Man darf die Piraten in Somalia nicht als Fischer romantisieren, denen von EU-Fangflotten die Fischgründe weggenommen worden sind. Das hat sicherlich auch eine Rolle gespielt. Aber heute sind das hochprofessionelle Banden. Organisierte Kriminalität hat aus der Piraterie ein einträgliches Geschäft gemacht, was dazu führt, dass in Puntland, einst eine der ärmsten Regionen Somalias, inzwischen blühende Landschaften entstehen.

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Im Mai ist eine Befreiungsaktion der GSG-9 abgeblasen worden. Fehlt es der Truppe an politischer Führung?
Wir sind in extremen Fällen auf diese Einsatztruppe der Polizei angewiesen und müssen uns auf sie verlassen können. Das setzt voraus, dass sie stets hochprofessionell trainiert und geführt wird. Aber dieser Einsatz war stümperhaft vorbereitet. Damit hat sich die Eliteeinheit zum Gespött gemacht. Das hätte nicht passieren dürfen und darf sich nicht wiederholen. Allerdings: Geiselbefreiungen sind die Ultima Ratio. In jedem Fall muss das Risiko abgewogen und dem Leben der Geiseln Vorrang eingeräumt werden.

Lässt sich Piraterie erfolgreich von See aus bekämpfen?
Das ist nur die zweitbeste Möglichkeit. Aber eine Bekämpfung von Land scheidet mittelfristig aus, weil es in Somalia kein funktionierendes Staatswesen gibt. Piraterie kann man nur aus einem stabilisierten Land heraus nachhaltig bekämpfen. Die Völkergemeinschaft ist gefordert, beim Aufbau stabiler Strukturen zu helfen. Dazu gehörten eine wirtschaftliche Perspektive für die Menschen in dieser Region und auch eine internationale Respektierung der Fischgründe vor Somalias Küste.

Interview: Michael M. Grüter