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Deutschland/Welt Die Aktie Wulff notiert uneinheitlich
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Die Aktie Wulff notiert uneinheitlich
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08:44 03.07.2010
Von Reinhard Urschel
Der Kandidat der schwarz-gelben Koalition für das Amt des Bundespräsidenten: Christian Wulff (CDU)
Der Kandidat der schwarz-gelben Koalition für das Amt des Bundespräsidenten: Christian Wulff (CDU) Quelle: dpa
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Die Tendenz ist aber steigend. Dafür sprechen auch sogenannte weiche Faktoren. Bettina Wulff wird von führenden Gesellschaftskritikern als positive Erscheinung gewichtet.

Zwar haben die drei Vertreter der sächsischen FDP-Fraktion in persönlichen Erklärungen und ein Bremer Liberaler am Freitag bekannt gegeben, bei der Bundespräsidentenwahl am 30. Juni für den Kandidaten von SPD und Grünen, Joachim Gauck, zu stimmen. Doch kann Wulff in der Bundesversammlung noch immer auf eine bedeutende rechnerische Mehrheit von mindestens 17 Stimmen hoffen.

Nachdem die Länder alle ihre Vertreter benannt haben, liegt dem Bundestagspräsidium seit Freitag die endgültige Übersicht über die Zusammensetzung der Bundesversammlung vor. Danach haben Union und FDP 21 Stimmen mehr als für die absolute Mehrheit erforderlich. Neben den vier bekannten kann es natürlich weitere Abweichler geben. Die Fraktionen von CDU/CSU und FDP haben deshalb bereits überschlägige Zählappelle machen lassen. Die Ergebnisse werden natürlich nicht bekannt gegeben, gleichwohl war am Freitag wieder davon die Rede, es könnte bei einem einzigen Wahlgang bleiben.

Sollte es dennoch zu einem dritten Wahlgang kommen, in dem die einfache Mehrheit genügt, könnte Wulffs Mitbewerber Gauck gleichwohl nur auf eine verschwindend kleine Hilfe aus dem Lager der Linkspartei zählen. Im Laufe der Woche hat sich der allgemeine Eindruck gefestigt, dass die Spitze der Linkspartei und der saarländische Landespolitiker Oskar Lafontaine eine moralische Wahlsperre aufgetürmt haben. Sie haben postuliert, dass Gauck für einen linken Politiker nicht wählbar sei.

Unterdessen beschäftigen sich seriöse Gesellschaftskritiker ernsthaft mit dem Ehepaar Wulff als „erstes Ehepaar der Republik“. Im „Zeit-Magazin“ schreibt Florian Illies, der in seinem Bestseller „Generation Golf“ die um 1970 Geborenen einer kritischen Bilanz unterwirft, über die 1974 geborene Bettina Wulff („First Lady in spe“) und entwirft ein durchweg erfreuliches Bild: „Wir von der Gesellschaftskritik wollen an dieser Stelle nicht so viel über den Mann an ihrer Seite sprechen, nur das sei noch gesagt: Dass er diese Frau ausgewählt hat, gehört zu seinen besten Personalentscheidungen. Wenn Bettina Wulff nach der Wahl am 30. Juni mit ins Schloss Bellevue einzieht, dann hätte Deutschland eine 36-jährige First Lady, deren Foto sich die deutschen Bundeswehrsoldaten sehr gerne in ihre Amtsstuben hängen würden. Auch von unserer Seite keinerlei Einwände.“ Illies erwartet, „dass Christian Wulff an ihrer Seite seine Rolle ebenso zurückhaltend ausfüllen wird wie Joachim Sauer seine an der Seite von Angela Merkel“.