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19:16 23.02.2010
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"Der Osten Deutschlands wird bis zum Jahr 2060 in viel stärkerem Maße vom Rückgang und der Alterung der Bevölkerung betroffen sein als der Westen", teilte das Statistische Bundesamt (Stabu) am Dienstag in Wiesbaden auf der Basis einer neuen Bevölkerungsprognose mit.

"Wir müssen lernen, mit der schrumpfenden und alternden Bevölkerung umzugehen und die Sozialsysteme so umzubauen, dass sie funktionieren. Das können wir jetzt in den neuen Ländern lernen", sagt Rembrandt Scholz vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock. "Die Bundesländer müssen sich dem demografischen Wandel anpassen", fordert der Direktor des Instituts für Bevölkerungs- und Gesundheitsforschung der Universität Bielefeld, Ralf E. Ulrich. Denn: "Die demografischen Unterschiede werden weiter zunehmen."

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Dafür sei die Haushaltskonsolidierung der Länder eine wichtige Grundlage. "Der demografische Wandel bringt neben zusätzlichen fiskalischen Belastungen auch Einsparpotenziale", betont Ulrich. Zugleich dürften vor allem die ostdeutschen Länder in ihren Anstrengungen nicht nachlassen, die wirtschaftliche Attraktivität für Investoren zu erhalten. Sie müssten auch in die Infrastruktur für ältere Menschen investieren. So gebe es auf dem Land im Osten derzeit vielerorts weniger Ärzte als im Westen.

Sachsen-Anhalt war 2008 mit einem Durchschnittsalter der Einwohner von 45,9 Jahren den Statistikern zufolge das älteste Bundesland; Baden-Württemberg mit 42,2 Jahren das Jüngste. Als Gründe nennt Bettina Sommer vom Stabu den Geburtenrückgang im Osten nach der Wiedervereinigung, die anhaltende Abwanderung junger Leute in den Westen und die im Vergleich zum Westen wenigen ausländischen Zuwanderer.

Gemessen am sogenannten Altenquotienten - dem Anteil der Menschen im Rentenalter an 100 Menschen im Erwerbsalter - ist Sachsen derzeit das älteste und Hamburg das jüngste Bundesland, wie Ulrich errechnet hat. "2060 werden Brandenburg und Thüringen die ältesten Bundesländer sein, und Rheinland-Pfalz und Niedersachsen die jüngsten", prophezeit er. "Das Problem der westdeutschen Bundesländer zeigt sich im Osten früher."

Der wissenschaftliche Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden, Jürgen Dorbritz, sagt: "Es gibt keine radikale oder komplexe Lösung für das Problem, aber viele Stellschrauben." Als Beispiel nennt er einen Anstieg der Geburtenziffer mit Hilfe familienpolitischer Maßnahmen. Dies sei allerdings schwierig und wirke sich auch erst sehr langfristig aus. "Die müssen ja dann erstmal ins erwerbsfähige Alter kommen."

Zuwanderung ist nach Ansicht von Scholz kein Lösungskonzept. "Das geht auf Kosten anderer Regionen." Außerdem: "Die Zuwanderer werden auch älter und bekommen in Zukunft weniger Kinder. Damit verschiebt sich die Lösungsnotwendigkeit des Problems nur in die Zukunft." Die Wanderung könne ohnehin nur etwa 20 Prozent des demografischen Wandels ausmachen, viel entscheidender sei mit fast 70 Prozent die Geburtenquote. "Viele Kinder passen aber nicht zu den Verhältnissen der heutigen Gesellschaft. Das ist in allen entwickelten Ländern genauso."

dpa