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Deutschland/Welt Deutschland fehlen 320.000 Krippenplätze
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22:49 03.05.2010
Von Saskia Döhner
In Niedersachsen sind 45.000 zusätzliche Krippenplätze nötig. Gegenwärtig gibt es nach Angaben des Kultusministeriums in Hannover rund 30.000 Plätze. Quelle: Martin Steiner (Archiv)
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Bund, Länder und Kommunen haben bereits vor drei Jahren versprochen: Bis zum Jahr 2013 sollen bundesweit 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren in einer Krippe oder bei einer Tagesmutter betreut werden können. Um dieses Ziel erreichen zu können, müssen sich die westdeutschen Länder aber noch gewaltig anstrengen. Wie das Statistische Bundesamt gestern mitteilte, fehlen insgesamt noch 320.000 Krippenplätze.

Nordrhein-Westfalen muss demnach seinen derzeitigen Bestand fast verdreifachen. In Niedersachsen sind 45.000 zusätzliche Krippenplätze nötig. Gegenwärtig gibt es nach Angaben des Kultusministeriums in Hannover rund 30.000 Plätze. „Wir haben das Ausbautempo inzwischen erheblich erhöht und einen Sprung nach vorn gemacht“, sagt Minister Bernd Althusmann. In den Vorjahren hatte das Land, was die Betreuungsquote bei den Kleinkindern angeht, im Vergleich der Länder einen der hinteren Ränge belegt. Inzwischen stehe Niedersachsen vor allem beim Abruf der Bundesmittel gut da, betont Althusmann.

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„Wir sind beim Krippenausbau auf einem guten Weg“, meint auch Hubert Meyer, Geschäftsführer des Landkreistages. Die Kommunalverbände hatten sich in der Vergangenheit beim Kultusministerium wiederholt über die schleppende Bearbeitung der Anträge und die verspätete Auszahlung der Zuschüsse beschwert. Ob man tatsächlich für 35 Prozent der unter Dreijährigen ein Betreuungsangebot vorhalten muss, ist in Niedersachsen umstritten. „So viele Plätze brauchen wir gar nicht“, sagt Adelheid Andresen, Leiterin des Jugendamts beim Landkreis Leer. In der landwirtschaftlich geprägten Region arbeiteten viele Frauen auf dem Hof mit und die Kleinkinder würden eher von der Oma betreut. Neue Krippen seien mitunter gar nicht ausgelastet. Auch im Landkreis Aurich sieht man keine Notwendigkeit für ein flächendeckendes Betreuungsangebot. Andererseits steige der Bedarf, weil in immer mehr Familien beide Elternteile arbeiten müssten, um ein Auskommen zu sichern, sagt Jürgen Homann, Abteilungsleiter Kinder- und Jugendförderung. Außerdem wachse die Nachfrage auch mit dem Angebot: „Wenn es eine Krippe gibt, dann spricht sich das bei den Eltern rum.“

Während man in Leer und Aurich ein Betreuungsangebot für zehn Prozent der Kleinkinder auf dem Land und 15 Prozent in der Kleinstädten für ausreichend hält, sagt Sigrid Bett vom Städtetag, in den Großstädten sei der Bedarf ungleich höher als 35 Prozent. Am Ende dürfte es doch eine Frage des Geldes sein, ob die Kommunen das Ziel: Eine Krippe mit zwei Betreuungsgruppen zu je 15 Plätzen kostet rund 600.000 Euro, das Land gibt nur 435.000 Euro Zuschuss. „Wer kann es sich leisten, auf 200.000 Euro sitzenzubleiben?“, fragt Homann.