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Deutschland/Welt Der steinige Weg zum Volks-Porsche
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Der steinige Weg zum Volks-Porsche
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12:39 08.05.2009
Quelle: ddp
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VON DIRK BUSCHE UND HEIKO RANDERMANN

Die Sportwagenfirma droht an steigenden Kosten der Mil¬liardenkredite für den Plan zu ersticken. Nun braucht Porsche Geld zum Überleben, bis zu fünf Milliarden Euro.

Die Befreiung aus der Finanzklemme soll ein Vorhaben bringen, den der Porsche-Piëch-Clan am Mittwoch beschlossen hatte: Aus VW und Porsche soll ein „integrierter Autokonzern“ werden, unter dessen Dach zehn Automarken eigenständig operieren sollen. Doch die Entscheidung lässt mehr Fragen offen, als sie beantwortet.
Das sieht auch Wolfgang Jüttner, Chef der SPD-Landtagsfraktion, so: „Die Entscheidung aus Salzburg ist nur ein interessanter Zwischenschritt, in der Sache ist aber kaum etwas geklärt. Die entscheidende Phase kommt jetzt, und in der kommt dem Land eine wichtige Rolle zu.“

Die NP sagt, was klar ist und was wie passieren könnte.
Was ist ein „integrierter Autokonzern“?
Zunächst: ein dehnbarer Begriff. Vermutlich: ein Gebilde, dessen Dachfirma neun VW-Marken – Audi, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Seat, Skoda, VW und VW Nutzfahrzeuge (VWN) sowie Scania plus Porsche – als eigenständige Einheiten lenken könnte.

Kommt es zur Fusion von Porsche und VW, wie es Familienhäuptling Wolfgang Porsche und Vorstandschef Wendelin Wiedeking wünschen?
Jein. Viele Wege führen zum „integrierten Autokonzern“. Dies soll eine Arbeitsgruppe aus allen Beteiligten, darunter die Porsche-Eigner, das Land sowie Betriebsräte und Vorstände beider Unternehmen, aushandeln. „Eine Fusion ist Spekulation, sie ist nur eine von vielen Optionen“, so Ministerpräsident Christian Wulff zur NP. Gespräche müssten „ergebnisoffen sein“.

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch (Wolfgang Porsches Cousin) will dagegen, dass Porsche sein Sportwagengeschäft an den VW-Konzern verkauft. Ist diese Variante jetzt vom Tisch?
Nein. Auch durch eine solche Transaktion könnte ein „integrierter Autokonzern“ mit eigenständig geführten Marken entstehen.

Welche der konkurrierenden Varianten befreit Porsche am schnellsten von Milliardenschulden?
Der Verkauf des Sportwagengeschäfts brächte sofort bis zu elf Milliarden Euro.

Woher käme zusätzliches Geld für Porsche – ohne diesen Verkauf?
Ungewiss. Da der Porsche-Piëch-Clan angeblich keine neuen Investoren anlocken will, müsste die Familie bis zu fünf Mil¬liarden lockermachen. Das hätte sie längst tun können. Daher der Verdacht, dass die Porsche-Piëch-Familie ihre Milliarden langfristig angelegt hat, so dass sie Bares nur bei Banken leihen könnte.

Wäre Niedersachsen bereit, einen Teil der VW-Anteile von Porsche zu kaufen, um damit zu helfen?
Nur im Notfall, also falls VW ansonsten in Gefahr wäre. Wulff sagte gestern: „Beim Thema Kapitalerhöhung waren wir stets zurückhaltend.“

Wer wird Chef eines VW-Porsche-Konzerns?
VW-Chef Martin Winterkorn hätte gute Chancen. Denn Wiedeking „hat zu viel Porzellan zerschlagen und ist in Niedersachsen und bei den Arbeitnehmern nicht mehr vermittelbar“, sagte Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive. „Es müssen klare Führungsstrukturen geschaffen werden“, so Bratzel. Es dürfe nicht zu unklaren Kompetenzen kommen, etwa durch eine Doppelspitze.

Wo stünde die Zentrale eines VW-Porsche-Konzerns?
Da Porsche VW braucht, ist es wahrscheinlich, dass Wolfsburg zum Machtzentrum wird und Stuttgart ein Zweitsitz. Das wäre im Sinne Niedersachsens, und Porsche könnte dem Land dafür Zugeständnisse abschwatzen.

Wer hat den Machtkampf gewonnen, die Porsches oder die Piëchs?
Scheinbar die Porsches, aber eher Ferdinand Piëch. Dessen Gegner Wiedeking sagte gestern: „Wir haben unser Konzept durchgesetzt.“ Tatsächlich wird VW und damit Piëch im neuen Gebilde den Ton angeben.

Was sagen VW- und Porsche-Betriebsräte zur Lage?
Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück konzentriert sich „auf die Belegschaft, die Vorstände sind für mich zweitrangig“. Er galt einst als Wiedeking-Getreuer – ein Indiz, dass Wiedeking fallen könnte. Hück sagte erstmals: „Wir brauchen das VW-Gesetz, um Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. Das Kapital allein schützt uns nicht mehr.“ Damit rückt der Porsche-Mann an das Land Niedersachsen und die VW-Belegschaft heran. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh betonte, dass vieles offen ist: „Mit uns ist besprochen, dass der Weg zum integrierten Konzern völlig offen ist. Eine Fusion ist dabei nur ein Weg.“

Wie reagierten hiesige Landespolitiker?
Bernd Althusmann (CDU): „Beide Unternehmen zählen in der Autobranche zu den stärksten der Welt – eine herausragende Ausgangslage für kommende Schritte. Ich gehe davon aus, dass Niedersachsen seinen Einfluss halten wird.“

FDP-Fraktionschef Jörg Bode: „Die VW-Beteiligung des Landes ist im Koalitionsvertrag festgehalten, dazu stehen wir. Nun müssen wir abwarten, welche Entwicklungen auf uns und VW zukommen. Ich weiß nicht, was jetzt passieren soll.“ Es gehe um die beste Lösung für das Land und die Belegschaft, betonte er.