Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Der steinige Aufstieg des Sigmar Gabriel
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Der steinige Aufstieg des Sigmar Gabriel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:29 03.10.2009
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD)
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) Quelle: ddp (Archiv)
Anzeige

Sein Weg an die Spitze war steinig. Als niedersächsischer Ministerpräsident abgewählt, als Beauftragter für populäre Musik in der SPD kurz und gemein „Siggi Pop“ geschmäht, das politische Leben des Sigmar Gabriel weist gleich mehrere Talstationen auf. Doch dann legte der Umweltminister einen wuchtigen und angriffslustigen Bundestagswahlkampf hin. Er gewann mit deutlichem Abstand seinen Wahlkreis Salzgitter-Wolfenbüttel-Vorharz. Als andere lavierten, griff er an und kämpfte sich mit seinem klaren Nein zur Atomkraft in die Herzen der Genossen. Jetzt griff er zu und schickt sich kurz nach seinem 50. Geburtstag an, SPD-Chef zu werden.

„Links ist in Wahrheit, den Menschen Aufstiegschancen zu bieten - denn die SPD war immer Aufsteigerpartei - sowie die Teilhabe an der Gestaltungsmacht“, schrieb Gabriel vor einem Jahr in den Klappentext seines Buches „Links neu denken“. Persönlich hat der Gestaltungs-Linke den Aufstieg nun geschafft. Der dramatische Niedergang der Sozialdemokraten ebnete dem gewandten Redner den Weg.

Einstige Bedenken, Gabriel sei zu unstet und ein politischer Haudrauf, traten in den Hintergrund. Jetzt wird der Zögling von Ex-Kanzler Gerhard Schröder ausgerechnet gemeinsam mit seiner langjährigen Rivalin, der Partei-Linken und designierten neuen Generalsekretärin Andrea Nahles, das Ruder im Willy-Brandt-Haus übernehmen.

Ende 1999 schien der Durchbruch für die Nachwuchshoffnung der Sozialdemokraten schon einmal erreicht. Nach dem Wechsel von Schröder nach Berlin und dem Rücktritt von dessen Nachfolger Gerhard Glogowski wurde Gabriel zum neuen Regierungschef in Hannover gekürt. Der vorläufige Absturz folgte bei den Landtagswahlen 2003, als Gabriel dem CDU-Herausforderer und zwei Mal an Schröder gescheiterten Christian Wulff unterlag. Der Posten als SPD-Beauftragter für Popkultur brachte ihm mehr Häme als Anerkennung ein.

Gabriel wurde am 12. September 1959 in Goslar geboren. Er wuchs ohne Vater auf. Prägend für seine Laufbahn war das gewerkschaftliche Engagement seiner Mutter, einer Krankenschwester, in der ÖTV. Sie vermittelte ihrem Sohn ein Gerechtigkeitsgefühl, das für ihn maßgebend wurde in der politischen Arbeit. Bereits mit 17 Jahren war Gabriel in der Kinder- und Jugendarbeit der SPD-nahen Jugendorganisation „Die Falken“ aktiv. 1977, mit 18 Jahren, trat er der Sozialdemokratischen Partei bei, zwei Jahre später wurde er auch Mitglied der ÖTV.

Nach dem Abitur 1979 und zwei Jahren Bundeswehr studierte Gabriel in Göttingen Politik, Soziologie und Germanistik mit dem Berufsziel Gymnasiallehrer. Er legte 1989 das Zweite Staatsexamen ab und arbeitete als Lehrer in der beruflichen Erwachsenenbildung. 1990 wurde Gabriel in den niedersächsischen Landtag gewählt. Von 1994 bis 1997 war er innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. 1997 wurde er Vize-Vorsitzender der Fraktion und im März 1998 dann deren Chef und schließlich Ministerpräsident.

Nach dem Sturz 2003 war er ganz unten. Bis ihm SPD-Chef Franz Müntefering das Umweltministerium als Bewährungschance anvertraute. Und Gabriel arbeitete sich in die komplizierte Materie ein. Ob seiner Körperfülle von den Genossen „Harzer Roller“ gerufen, brachten ihn seine Intelligenz, seine Schlagfertigkeit und seine scharfe Zunge nun ganz nach oben. Gabriel gilt in der SPD als „Rampensau“, manche meinen, er wäre anstatt des unterlegenen Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier auch ein guter Fraktionschef geworden. Jetzt muss er die chronisch zerstrittenen Flügel der Partei zusammenführen.

ddp