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Deutschland/Welt Der Kampf um Bundeswehr-Jobs beginnt
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22:31 24.08.2010
Von Klaus von der Brelie
„Nichts mit dem Rasenmäher“: Karl-Theodor zu Guttenberg am Dienstag in Bayern.
„Nichts mit dem Rasenmäher“: Karl-Theodor zu Guttenberg am Dienstag in Bayern. Quelle: ap
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Aktuell sind knapp 40.000 deutsche Soldaten in Niedersachsen stationiert. Ihnen stehen gut 10.000 Zivilbedienstete zur Seite. Wenn die Bundesregierung die Neuausrichtung nach dem Reformmodell 4 umsetzt, das Guttenberg favorisiert, dann müsste die Truppe in Niedersachsen etwa 13.000 Arbeitsplätze abbauen.

„Es wird zwangsläufig zu Standortschließungen der Bundeswehr in Deutschland kommen“, sagte der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. „Niedersachsen darf aber nicht überproportional von Standortschließungen betroffen sein. Dafür wird sich die Landesregierung einsetzen. Niedersachsen will und muss Bundeswehr-Land bleiben.“ In der Umstrukturierung lägen aber auch Chancen, sagte der CDU-Politiker. Große Heeresstandorte wie Munster könnten möglicherweise gestärkt werden.“

In Bundeswehrkreisen ist zu hören, dass der Fliegerhorst in Wittmund mit 1760 Dienstposten akut gefährdet ist, weil die Luftwaffe sich von den „Phantom“-Kampfjets trennt und künftig mit erheblich weniger Eurofightern auskommen muss. Auch dem Kommando der vierten Luftwaffendivision in Aurich wird ein baldiges Ende vorausgesagt. Hier könnten gut 400 Dienstposten entfallen.

Sollte es dazu kommen, dass die Heeresdivisionen durch vier neuartige Einsatzkommandos ersetzt werden, würde zum einen die 1. Panzerdivision aus Hannover verschwinden und zum anderen das Panzerbataillon 33 in Luttmersen (Region Hannover) von der Auflösung bedroht werden. Wie es heißt, soll die Bundeswehr künftig nur noch über maximal vier Panzerbataillon verfügen. Die gravierenden Einschnitte beim Heer werden sich auch auf die Übungsplätze auswirken. Das Gelände Ehra-Lessien bei Wolfsburg gilt derzeit als akut gefährdet.

Auch der frühere Innenminister Heiner Bartling (SPD) warnt davor, überproportional viele Soldaten aus Niedersachsen abzuziehen. „Insbesondere bei Katastrophen und bei Großschadensfällen sind wir dringend auf die Unterstützung der Bundeswehr angewiesen“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Er habe auch kein Verständnis für das Aussetzen der Wehrpflicht. Die Wehrdienstleistenden hätten bei Katastrophenfällen wie dem Elbehochwasser die Hauptlast getragen. Auch der SPD-Verteidigungsexperte Lars Klingbeil aus Munster kämpft um den Erhalt möglichst vieler Standorte: „Die Bundeswehr ist in Niedersachsen fest verankert. Das ist ein hohes Gut, das nicht einfach aufgegeben werden darf.“