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Deutschland/Welt Demonstranten stürmen israelisches Botschaftsgebäude in Kairo
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Demonstranten stürmen israelisches Botschaftsgebäude in Kairo
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12:17 10.09.2011
Bei einer Demonstration vor der israelischen Botschaft in Kairo ist die Gewalt eskaliert. Quelle: dpa
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Tel Aviv/Kairo

Wütende Demonstranten haben in Kairo die israelische Botschaft erstürmt. Der Botschafter wurde in der Nacht zum Samstag in einer dramatischen Rettungsaktion zusammen mit mehr als 80 weiteren israelischen Bürgern in die Heimat zurückgeholt. Die ägyptische Regierung wurde zu einer Krisensitzung einberufen. Die Polizei wurde in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Das berichtete das Staatsfernsehen am Samstag unter Berufung auf offizielle Angaben aus dem Kairoer Innenministerium.

Die Demonstranten hatten zunächst eine Schutzmauer vor der Botschaft niedergerissen und hatten dann das Bürohochhaus gestürmt, in dem die diplomatische Vertretung untergebracht ist. Aus dem Konsularbereich in einem der oberen Stockwerke des Gebäudes warfen sie dann Dokumente aus den Fenstern. Die eigentliche Botschaft ist im 20. und 21. Stock untergebracht.

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Nach Angaben der ägyptischen Behörden seien mehrere hundert Menschen verletzt worden, berichtete der Fernsehsender Al-Dschasira. Berichte über zwei Tote wurden zunächst offiziell nicht bestätigt.

Israel flog seinen Botschafter und weitere Bürger mit eigenen Militärmaschinen aus Ägypten aus. Sie seien in einer geheimen Aktion unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen aus der Botschaft in Kairo zu einem Flughafen gebracht worden, sagte ein ranghoher israelischer Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur dpa. Dort habe eine Maschine der israelischen Luftwaffe bereit gestanden. „Keiner der Israelis wurde verletzt“, sagte der Sprecher unter der Maßgabe, dass sein Name nicht genannt werde.

Botschafter Jitzschak Levanon sowie 80 Diplomaten, Familienangehörige und andere Israelis landeten wohlbehalten in der Heimat. Weitere sechs israelische Sicherheitsbeamte und Diplomaten, die zunächst in der Botschaft festgesessen hätten, seien von einem ägyptischen Sonderkommando befreit worden, berichtete der Sprecher. Sie seiend Stunden nach dem Botschafter zu einer zweiten israelischen Maschine gebracht und ausgeflogen worden.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dankte US-Präsident Barack Obama und den ägyptischen Behörden für ihre Hilfe bei der Rettung der Diplomaten. Netanjahu habe nachts mehrmals mit den sechs eingeschlossenen Sicherheitsleuten und Diplomaten telefoniert und versprochen, alles für ihre Rettung zu unternehmen, berichtete der Sprecher.

„Der Angriff des Mobs auf die israelische Botschaft in Ägypten ist eine ernste Angelegenheit, aber es hätte viel schlimmer ausgehen können, wenn es den Angreifern gelungen wäre, auch die letzte Tür zur Botschaft aufzubrechen und unsere Leute zu verletzen“, habe Netanjahu gesagt.

In Kairo kursierten Gerüchte über einen möglichen Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Essam Scharaf. Ein Rücktritt werde erwartet, weil die Regierung die Lage nicht unter Kontrolle bekommen habe, berichtete die halbamtliche ägyptische Zeitung „Al-Ahram“. Scharaf steht einer Übergangsregierung vor; die eigentliche Macht liegt seit dem Sturz des Regimes von Husni Mubarak beim Militärrat.

Obama forderte die ägyptische Regierung auf, ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen und die Sicherheit der Botschaft zu gewährleisten. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Erstürmung der israelischen Botschaft in Kairo. Er erwarte, dass die ägyptischen Behörden den Schutz der Botschaft gemäß den internationalen Verpflichtungen sicherstellten, teilte das Auswärtige Amt am Samstag in Berlin mit. Eine weitere Eskalation müsse unbedingt vermieden werden.

Auslöser der seit Wochen andauernden Proteste vor der Botschaft war der Tod von fünf ägyptischen Grenzpolizisten. Israelische Sicherheitskräfte hatten sie bei der Verfolgung mutmaßlicher palästinensischer Terroristen an der ägyptisch-israelischen Grenze vor drei Wochen erschossen.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.