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Deutschland/Welt Das erste private Raumschiff startet ins All
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23:30 14.05.2012
WENN ALLES GUT GEHT: Eine Computergrafik zeigt die Landungssimulation der Raumkapsel «Dragon». Sie soll Lebensmittel zur Raumstation ISS bringen.
WENN ALLES GUT GEHT: Eine Computergrafik zeigt die Landungssimulation der Raumkapsel «Dragon». Sie soll Lebensmittel zur Raumstation ISS bringen. Quelle: SPACEX
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Washington

Während die Space Shuttle der Nasa derzeit nur noch im Museum landen, ist bereits das nächste Kapitel in der Raumfahrtgeschichte aufgeschlagen: An diesem Samstag soll der erste private US-Raumtransporter zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Das kalifornische Unternehmen SpaceX will seine unbemannte Kapsel mit dem Namen „Dragon“ vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral (Florida) aus mit der ebenfalls selbst entwickelten Falcon 9-Trägerrakete ins All schießen.

„Es ist ein historischer Start“, meint ISS-Programmdirektor Mike Suffredini. „Dragon“ (Drache) wäre das erste kommerziell produzierte Raumschiff, das an der ISS andockt - von dem Beginn einer neuen Ära ist die Rede. Doch die Raumfahrtbehörde Nasa und SpaceX sind sich bewusst, dass es nicht einfach wird. „Unsere Aussichten sind recht gut, aber es muss betont werden, dass bei einer solchen Mission auch vieles schiefgehen kann“, räumte Unternehmenschef Elon Musk ein.

Der anfangs für den 30. November 2011 geplante Start der „Dragon“ musste wegen technischer Schwierigkeiten schon mehrfach verschoben werden. Die Reise zur ISS soll drei Tage dauern. Als besonders kompliziert gilt das Andocken an die Raumstation. In der letzten Phase müssen die Astronauten der ISS die Kapsel mit einem Roboterarm packen und in die richtige „Parkposition“ bringen. I

m Notfall kann das Manöver in letzter Minute abgeblasen werden. Die mehr als 500 Kilogramm schwere Ladung der Kapsel - vor allem Proviant für die ISS-Bewohner - sei entbehrlich, betonen Nasa und SpaceX.

Zwei Wochen soll „Dragon“ an der Raumstation angedockt bleiben. Auf dem Rückflug wird die Kapsel, die vor Kalifornien ins Meer stürzen soll, mehr als 600 Kilo Abfall zur Entsorgung an Bord haben. SpaceX hat bereits angekündigt, dass es nicht aufgeben werde, falls die Mission fehlschlagen sollte. Vielmehr werde man dann aus den Fehlern lernen und es erneut versuchen. Schließlich sei es ein Testflug.

Schon gar nicht dürfe ein Fehlschlag als Argument gegen die kommerzielle Raumfahrt benutzt werden, bekräftigt SpaceX-Chef Musk. „An unserer Entschlossenheit sollte niemand zweifeln. Wir werden entweder auf dieser oder der nächsten Mission zur ISS gelangen.“ Die Nasa hat mit SpaceX einen hoch dotierten Vertrag über zwölf Transportflüge zur ISS abgeschlossen. Er beläuft sich nach Medienberichten auf umgerechnet 1,2 Milliarden Euro.

Nach der aus Kostengründen beschlossenen Stilllegung ihrer Raumfähren im vergangenen Sommer hat die Nasa keine eigenen Fluggeräte mehr, um Mensch und Material ins Weltall zu befördern. Stattdessen ist sie auf teure Mitfluggelegenheiten in den russischen „Sojus“-Kapseln angewiesen. Pro Flug und Sitz koste dies etwa 53 Millionen Dollar, sagte Nasa-Chef Charles Bolden. Nach der Ausmusterung der Space Shuttle verfolgt die Nasa das ehrgeizige Ziel, Menschen auf einen Asteroiden und dann auf den Mars zu bringen. Die Routine-Flüge zur ISS will sie dagegen kommerziellen Anbietern überlassen.

Ein Erfolg der aktuellen Mission wäre nicht nur für die Nasa, sondern auch für die internationalen Partner eine gute Nachricht. „Wir wünschen SpaceX jeden erdenklichen Erfolg, denn es ist ein wichtiger Schritt“, sagt Andreas Diekmann, Chef des Washingtoner Büros der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Andere Firmen stehen schon bereit: Für Ende des Jahres plant die US-Firma Orbital Sciences Corporation einen ersten Flug zur ISS.

14.05.2012
14.05.2012