Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt China - für deutsche Firmen Boomland Nr. 1
Nachrichten Politik Deutschland/Welt China - für deutsche Firmen Boomland Nr. 1
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:58 10.04.2012
1039123-20120410190100.tif
SCHÄTZEN DEUTSCHE UNTERNEHMENSFÜHRUNG: Arbeiterinnen bei Phoenix Contact in der ostchinesischen Metropole Nanjing. Quelle: Andreas Landwehr
Anzeige
Nanjing

Von zweistelligen Zuwachsraten können viele Unternehmer in Deutschland nur träumen. Doch in China sind sie Realität. Zwar schwächelt die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt derzeit etwas, aber viele deutsche Firmen dort entwickeln sich ohnehin meist schneller als der Markt. Manager von Konzernen und Mittelständlern sprechen deshalb eher von „Normalisierung“ der Wirtschaft in China.

Die Geschäftsaussichten sind unverändert gut. Im März bescherten schwache Importe China wieder einen Handelsüberschuss, nach einem Defizit im Februar. Im gesamten Quartal verlangsamte sich der Anstieg im Handel mit der EU als wichtigstem Handelspartner aber auf 2,6 Prozent.

In China sind heute etwa 5000 deutsche Unternehmen mit rund 200000 Mitarbeitern präsent, teilweise schon seit den 90er Jahren. Nach 25 Jahren ist das Reich der Mitte 2012 wieder das Partnerland auf der Hannover-Messe vom 23. bis 27. April. Das soll der deutsch-chinesischen Kooperation noch zusätzlichen Schub geben.

Davon profitieren auch dieMuttergesellschaften in Deutschland, weil kräftig aus der Heimat zugeliefert wird. Der für Stecker und Klemmenbekannte Mittelständler Phoenix Contact aus Blomberg begann 1993 in der ostchinesischen Metropole Nanjing. Heute fördert jeder Euro Umsatz in China bei ihm fast einen weiteren in Deutschland. „55 Prozent unseres Umsatzes von 183 Millionen Euro sind in China produziert, den Rest von 45 Prozent liefern wir aus Deutschland dazu“, erzählt Vertriebschef Frank Stührenberg.

Die in der Automatisierung, erneuerbaren Energien und Elektromobilität tätige Firma setzt auf den Ausbau elektrischer Antriebe in China. Sie hat Aufladestecker für Chinas Elektroautos oder spezielle Steckverbindungen für Wechselbatterien von Elektrobussen entwickelt, die bereits bei einem Pilotprojekt in der Hafenstadt Qingdao rollen. 1500 Mitarbeiter beschäftigt der Hersteller aus Ostwestfalen-Lippe in China. Zehn Prozent seines weltweiten Umsatzes macht Phoenix Contact dort.

Das Geschäft sei „sehr ertragreich“, sagt Stührenberg. Der Gewinn vor Ort werde meist reinvestiert, weil Wachstum als verlässlicher Faktor eingeschätzt werde. „Mittel- und langfristig haben wir keinen Anlass zu glauben, dass wir hier nicht mehr wachsen“, so Stührenberg.

Beim Elektrogiganten Siemens sieht es nicht anders aus. „Wir haben uns bisher schneller als der Markt entwickelt, und diesen Trend wollen wir beibehalten“, sagt der Siemens-Industriechef in China, Marc Wucherer, in Peking. Ein leichter konjunktureller Abschwung biete auch immer Chancen für Modernisierungen. „Bei einer Abschwächung überlege ich mit dem Kunden, wie die Maschinen effizienter gemacht werden können, weil das bei voller Auslastung sonst gar nicht möglich wäre.“

Auch Festo, Anbieter von Automatisierungstechnik aus Esslingen (Baden-Württemberg) - wie die anderen Firmen in Hannover dabei - rechnet in China nach bislang mehr als 20 Prozent Wachstum mit je 16 Prozent die nächsten Jahre. Zufrieden ist auch der Ventilator- und Motorenbauer „ebmpapst“ aus Mulfingen (Baden-Württemberg). Er will seinen Umsatz in China bis 2015/16 auf deutlich mehr als 238 Millionen Euro verdoppeln. „Wir werden auch in den nächsten Jahren zweistellig wachsen“, ist China-Geschäftsführer Helmut Schoeneberger in Nanhui sicher.

Ähnlich sieht es Messe-Aussteller DMG Gildemeister. Der Dreh- und Fräsmaschinenbauer wächst in Schanghai mit 20 bis 30 Prozent im Jahr. „Wir werden durch den Markt nicht begrenzt“, betont DMG-Mann Franz Michael Oppermann.