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Deutschland/Welt Castor-Gegner bereiten sich auf weitere Protestnacht vor
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Castor-Gegner bereiten sich auf weitere Protestnacht vor
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16:27 09.11.2010
Die Atomkraftgegner bereiten sich auf eine weitere Protestnacht im Wendland vor.
Die Atomkraftgegner bereiten sich auf eine weitere Protestnacht im Wendland vor. Quelle: ap
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An der Sitzblockade beteiligten sich laut Polizei bereits am Nachmittag 1500 Demonstranten. Die Anti-Castor-Protestbewegung X-tausendmalquer meldete am Abend rund 2400 Teilnehmer, die sich trotz Kälte auf eine Nacht unter freiem Himmel einstellten. Auf den Straßen zwischen der Castor-Umladestation am Bahnhof Dannenberg und dem etwa 20 Kilometer entfernten Gorleben bereiteten Atomkraftgegner zudem mehrere weitere Blockade-Aktionen mit Traktoren vor.

Am Mittag hatte der durch Gleisblockaden immer wieder aufgehaltene Zug mit den Castoren mit fast einem Tag Verspätung die Verladestation in Dannenberg erreicht. Die Behälter mit Rückständen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Reaktorbrennstäbe waren seit ihrem Start im französischen La Hague rund 67 Stunden unterwegs. In Dannenberg wurden die Castoren nacheinander auf Lkw geladen. Die Aktion dürfte voraussichtlich gegen Mitternacht beendet sein.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warf den Behörden vor, Bevölkerung und Polizisten über die Strahlenbelastung zu täuschen. Messungen zeigten, dass die von den Castoren ausgehende Dosis an Neutronenstrahlen um das 480-fache über der natürlichen Hintergrundstrahlung liege. Auch wenn die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten würden, sei dies keine Garantie für Ungefährlichkeit. Das von der Neutronenstrahlung ausgehende Risiko sei unter Experten umstritten.

In der Nacht zum Montag hatten nach Polizeiangaben 3500 Demonstranten den Castor-Zug kurz vor Dannenberg mit einer Sitzblockade zu einem außerplanmäßigen nächtlichen Halt gezwungen. Atomkraftgegner zeigten sich hocherfreut über die bislang größte Sitzblockade gegen einen Castor. „Das war eine Sternstunde des gewaltfreien Widerstands“, sagte Jochen Stay von der Initiative „ausgestrahlt“. Am Sonntag war es im Wendland zu heftigen Zusammenstößen zwischen Polizei und hunderten Atomkraftgegnern gekommen.

Die Opposition machte die Bundesregierung für die Proteste verantwortlich. Die Grünen beantragten noch für diese Woche eine Aktuelle Stunde des Bundestags zur Atompolitik. SPD-Bundeschef Sigmar Gabriel kritisierte im Radiosender NDR Info mit Blick auf die jüngst beschlossene Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke, Schwarz-Gelb habe einen „gesellschaftlichen Großkonflikt“ neu eröffnet. Polizeigewerkschaften kritisierten die hohen Belastungen für die Einsatzkräfte.

afp

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