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Deutschland/Welt Carola Rackete fordert: Alle Migranten aus libyschen Lagern holen
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Carola Rackete fordert: Alle Migranten aus libyschen Lagern holen
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08:17 15.07.2019
Carola Rackete, deutsche Kapitänin der Sea-Watch “, steht auf der Brücke des Rettungschiffs (Archivfoto). Quelle: Till M. Egen/Sea-Watch.org/dpa
Berlin

Die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete hat Europa zur Aufnahme von Migranten aufgefordert, die sich in Libyen in der Hand von Schleppern oder in Flüchtlingslagern befinden. „Die, die in Libyen sind, müssen dort sofort raus in ein sicheres Land“, sagte Rackete der „Bild“-Zeitung.

„Wir hören von einer halben Million Menschen, die in den Händen von Schleppern sind oder in libyschen Flüchtlingslagern, die wir rausholen müssen.“ Ihnen müsse sofort bei einer sicheren Überfahrt nach Europa geholfen werden. „Die Zahl an Menschen, die wir aufgenommen haben, ist ja immer noch gering, wenn Sie das mit dem Libanon, Jordanien oder anderen afrikanischen Ländern vergleichen“, sagte Rackete in dem Interview und fügte hinzu: „Man muss das besser erklären und das Thema nicht den rechtspopulistischen Parteien überlassen.“

Rackete steht seit Wochen in den Schlagzeilen, weil sie Ende Juni das Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch mit Migranten an Bord unerlaubt nach Italien gefahren hatte. Gegen die 31-Jährige aus Niedersachsen wird in Italien unter anderem wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung ermittelt.

Migranten werden in Libyen ohne gültige Papiere in Internierungslager mit katastrophalen Zuständen gesteckt. Dort mangelt es an Toiletten, Duschen, Essen, Trinken und die Menschen werden nach Berichten von UN und Hilfsorganisationen teilweise misshandelt.

Rackete sagte, Deutschland und andere europäische Staaten hätten „eine historische Verantwortung an den Umständen in Afrika noch aus der Kolonialzeit“. „Die heutigen Machtverhältnisse sind durch Europa bestimmt worden.“ Deshalb gebe es eine historische Verantwortung, Flüchtlinge aufzunehmen, „die wegen der Machtverhältnisse oder auch der Klimasituation nicht mehr in ihren Ländern leben können“.

Auf den Vorwurf, dass Menschen durch die Seenotrettung erst motiviert werden, auf Schiffe zu gehen, sagt die Kapitänin, dafür gebe es keinerlei Belege. „Die einzigen Zahlen, die klar sind, belegen: Es sterben mehr Menschen, wenn es weniger Rettungsboote auf dem Mittelmeer gibt.“

Rackete ist nach wie vor der Ansicht, dass sie und ihre Crew rechtens gehandelt haben. „Es gibt das maritime Gesetz, Menschen in Seenot zu retten. Das ist wie bei einem Autounfall, bei dem man selbstverständlich helfen muss“, sagte sie in dem Interview. Dass sie ausgerechnet in Italien angelegt habe, ergebe sich aus dem Seerecht. „Am Ende musste ich reagieren, weil die Situation an Bord dramatisch war und Menschen hätten sterben können.“

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Von RND/dpa/das