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Deutschland/Welt Bundeswehrsoldaten erschießen zwei Zivilisten an Kontrollpunkt
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Bundeswehrsoldaten erschießen zwei Zivilisten an Kontrollpunkt
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19:47 19.07.2009
Da der Fahrer eines Wagens nicht auch auf Warnschüsse reagiert habe, hätten die Bundeswehrsoldaten „gezielt auf das Fahrzeug schießen“ müssen. Quelle: Symbolfoto: Michael Kappeler/ddp
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Die Soldaten hätten auf ein Fahrzeug mit sechs Insassen gefeuert, das sich „mit hoher Geschwindigkeit“ einer deutsche Stellung genähert habe, teilte das Verteidigungsministerium am Sonntag in Berlin mit. Die Taliban veröffentlichten ein Video von einem in Afghanistan verschleppten US-Soldaten.

Da der Fahrer des Wagens nicht auch auf Warnschüsse reagiert habe, hätten die Bundeswehrsoldaten „gezielt auf das Fahrzeug schießen“ müssen, um es zum Stehen zu bringen, heißt es in der Erklärung des Verteidigungsministeriums weiter. Dabei sei ein Jugendlicher getötet und drei weitere Insassen schwer verletzt worden. Ein Verletzter sei dann auf dem Weg in das Rettungszentrum des Regionale Wiederaufbauteam (PRT) in Kundus verstorben.

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Nach derzeit vorliegenden Informationen mussten die Soldaten von einem Angriff ausgehen, so dass der Schusswaffengebrauch auf der Grundlage bestehender Einsatzregeln rechtmäßig erfolgte“, erklärte das Verteidigungsministerium.

In dem am Wochenende im Internet veröffentlichten 28-minütigen Video spricht der verängstigt wirkende junge Soldat unter anderem über seine Entführung Ende Juni und den Einsatz der US-Armee in Afghanistan. Die Taliban ließen der Nachrichtenagentur AFP in der Nacht zum Sonntag einen Link zu dem im Internet veröffentlichten Video zukommen, es ist inzwischen auf zahlreichen Internet-Seiten zu sehen. Auf dem Video erscheint nur der Soldat mit glattrasiertem Kopf und einem kurzen Bart. Er trägt traditionelle afghanische Kleidung und beantwortet ihm gestellte Fragen. Er wirkt nervös und ängstlich.

Der Soldat sagt, er sei in der Provinz Paktika im Südosten Afghanistans entführt worden, als er den Anschluss an eine Patrouille verloren habe. „Ich habe Angst, nicht mehr nach Hause zurückkehren zu können“, sagt der Entführte und bittet die USA, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Über den Krieg in Afghanistan sagt er, die USA seien in ein „eigenständiges Land“ eingefallen. Nach unbestätigten Angaben eines Mannes, der sich als ein Talibanführer ausgab, soll der Soldat inzwischen über die Grenze nach Pakistan gebracht worden sein.

Die US-Armee bestätigte, dass es sich bei dem in dem Video gezeigten Mann um den am 30. Juni entführten Soldaten handelt. Der Soldat sei 23 Jahre alt und stamme aus Ketchum im US-Bundesstaat Idaho. Ein Sprecher der US-Armee warf den Taliban vor, den Soldaten zu „Propagandazwecken“ zu missbrauchen. Bei dem Fall handelt sich um die erste bekanntgewordene Entführung eines US-Soldaten in Afghanistan seit dem Beginn des Krieges 2001.

AFP