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Deutschland/Welt Bundeswehr nach Bombenangriff im
 Feuer der Kritik
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Bundeswehr nach Bombenangriff im
 Feuer der Kritik
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22:32 06.09.2009
Von Klaus von der Brelie
Die Bundeswehr steht nach dem Bombenangriff in Afghanistan im
 Feuer der Kritik.
Die Bundeswehr steht nach dem Bombenangriff in Afghanistan im
 Feuer der Kritik. Quelle: ddp
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Die Bundeswehr wies den Bericht zurück und sprach weiter von mehr als 50 getöteten Rebellen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Großbritanniens Premierminister Gordon Brown forderten nach einem Treffen in Berlin am Sonntagabend eine Afghanistan-Konferenz der Vereinten Nationen noch in diesem Jahr, um das weitere Vorgehen zu beraten.

Ein Oberst der Bundeswehr hatte am Freitag die US-Luftwaffe angefordert, um zwei von den Taliban entführte Tanklastwagen zu bombardieren. Inzwischen sind Untersuchungen zur Aufklärung eingeleitet worden, von der Schutztruppe Isaf, von der afghanischen Regierung und von der Bundeswehr.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) verteidigte den Angriff: Es habe klare Hinweise gegeben, dass die Taliban die Tankwagen in ihre Gewalt gebracht hätten, um einen Anschlag auf das Bundeswehrlager in Kundus zu verüben. Es seien „ausschließlich terroristische Taliban getötet worden“. Die Staatsanwaltschaft Potsdam prüft, ob ein Ermittlungsverfahren gegen den deutschen Offizier eingeleitet werden muss. Dies forderte der Linken-Politiker und frühere Bundesrichter Wolfgang Neskovic. „Wenn das halbe Dorf um die Tanklaster herumstand, um Benzin zu zapfen, wie es Zeugen schildern, dann war der Angriff eindeutig rechtswidrig und Mord“, sagte Neskovic dieser Zeitung.

Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) verlangte unterdessen laut „Welt am Sonntag“, ein Datum für den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan zu setzen. Im Jahr 2015 müsse Schluss sein mit dem Einsatz. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) lehnte es dagegen ab, ein Datum zu setzen. Die internationale Truppenpräsenz in Afghanistan werde noch länger notwendig sein, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

EU-Länder wie Frankreich, Italien und Luxemburg verurteilten den Nato-Angriff scharf. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner nannte den Angriff einen „großen Fehler“. Italiens Außenminister Franco Frattini und sein luxemburgischer Kollege Jean Asselborn sprachen wortgleich von „Aktionen, die niemals hätten geschehen dürfen“.

Auch Kanzlerin Merkel forderte am Abend umfassende Aufklärung. „Die Situation war kompliziert und deshalb setze ich voll auf eine zügige, umfassende und offene Aufklärung.“ Sollte es zivile Opfer gegeben haben, „dann werde ich das natürlich zutiefst bedauern“.

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„Wir sind zu nett zu den Verbrechern gewesen“, sagt Ahmullah Wardak. Der Vorsitzende des Provinzrates in Kundus hat wenig Verständnis dafür, dass Isaf-Befehlshaber Stanley McChrystal nach dem verheerenden Luftangriff auf zwei Tanklastzüge öffentlich um Schadensbegrenzung bemüht ist.

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