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Deutschland/Welt Bund zahlt für die Asse - Räumung hat begonnen
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16:03 10.09.2010
Startschuss unter Tage: Die Sanierung der maroden Asse bei Wolfenbüttel wurde am Dienstag gestartet. Quelle: dpa

Die Atomwirtschaft muss sich nicht an den Sanierungskosten für das marode Atommülllager Asse beteiligen. „Die Kosten für den Weiterbetrieb und die Stilllegung von Asse II trägt der Bund“, stellte das Bundesfinanzministerium am Donnerstag klar. Die Sanierung der Asse soll aus dem allgemeinen Haushalt finanziert werden – die Brennelementesteuer, die die AKW-Betreiber künftig zahlen müssen, trage damit auch zum Ausgleich bei. Die Sanierung kostet nach Schätzungen zwei bis sechs Milliarden Euro.

In dem maroden Salzstock bei Wolfenbüttel lagern 126.000 Fässer mit Atommüll. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter hatte Anfang des Jahres erklärt, die Rückholung des gesamten Mülls sei die beste Möglichkeit, die Langzeitsicherheit der Asse zu gewährleisten. Gestern haben in dem Salzstock erste Vorbereitungen begonnen, die Rückholung zu organisieren. Unter Tage sollen zunächst mittels Bohrungen in die Abfallkammern Informationen über Inhalt und Zustand der dort gelagerten Atommüllfässer gesammelt werden. Nach Angaben des BfS sollen frühestens in drei Jahren alle Fakten geklärt sein. Bis die Fässer tatsächlich zurückgeholt werden, dürften noch viele Jahre vergehen.

Die politische Debatte über die Energiepolitik gewinnt derweil an Brisanz. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister forderte gestern am Rande der Landtagssitzung in Hannover, der Bund müsse Ausgleichszahlungen für jene Regionen leisten, die besondere Belastungen wegen atomarer Anlagen hinzunehmen hätten. Das gelte etwa für Salzgitter mit dem genehmigten Schacht Konrad. Wenn der Bund ein Endlager-Forschungszentrum errichten wolle, komme dafür auch ein Standort in Niedersachsen in Betracht.

McAllister erinnerte an den im vergangenen Jahr zwischen CDU, CSU und FDP in Berlin geschlossenen Koalitionsvertrag, der solche Ausgleichsleistungen vorsehe. Zugleich nannte der Oberbürgermeister von Salzgitter, Frank Klingebiel, einen Betrag von 2,9 Millionen Euro, der in eine Stiftung fließen könne. Zwei Drittel solle die Atomwirtschaft tragen, ein Drittel der Bund. Der Ministerpräsident, der am Wochenende die Kanzlerin trifft, will dort weitere niedersächsische Interessen „nachdrücklich einbringen“. So könnte der Ausbau der Stromleitungsnetze von den Offshore-Windenergieparks in der Nordsee nach Süddeutschland durchgesetzt werden, wenn noch mehr Kabel unterirdisch verlegt werden. Dies lehnen die Energieversorger bisher mit Hinweis auf die höheren Kosten der Erdverkabelung ab. McAllister setzt außerdem auf neue Anreize für Hauseigentümer, die Gebäude energetisch zu sanieren, und auf eine verstärkte Forschung für neuartige Netz- und Speichertechnologien.

Die Asse wird aufgebohrt

Torsten Lother sagt, er habe Vertrauen. Dann legt er einige Hebel um und setzt damit einen gigantischen Bohrer in Bewegung, der sich 800 Meter unter dem Erdboden in eine Wand aus glitzerndem Salzgestein frisst. Der 28-Jährige ist Bergmann im Bohrbetrieb in der Schachtanlage Asse.

Wenn alles nach Plan läuft, werden Lother und neun Kollegen demnächst die erste der insgesamt 13 mit radioaktivem Abfall gefüllten Kammern in dem alten Salzbergwerk aufbohren. Es ist der Anfang vom Ende des maroden Atommüllendlagers in Remlingen im Kreis Wolfenbüttel. Alles muss raus, denn der Salzstock droht abzusaufen.

Schätzungsweise 126.000 Fässer mit leicht- und mittelradioaktivem Abfall lagern in der Asse, zum Teil achtlos in die Stollen gekippt, damals zwischen 1967 und 1978, als Lother noch nicht einmal geboren war und der Umgang mit strahlendem Material noch leicht von der Hand ging.

Anfang des Jahres hat das Bundesamt für Strahlenschutz erklärt, allen Abfall heraus zu holen, sei das Beste für die Langzeitsicherheit der Asse. Eine Machbarkeitsstudie hat ergeben, dass das funktioniert. Der Müll würde dann im nur 20 Kilometer entfernten Schacht Konrad untergebracht. Ob die Rückholung klappen kann, darüber sollen jetzt Messungen in den Kammern Aufschluss geben. Im Moment läuft der Probebohrbetrieb in einem Gebiet des Bergwerks, in dem kein Abfall lagert. Aber in diesem Jahr noch, so hofft Dirk Laske, soll das erste Loch in die Abfallkammer 7 gebohrt werden, damit Kameras und Sonden eingeführt werden können, und wenn alles nach Plan läuft, ist in drei Jahren „die gesamte Faktenerhebung“ abgeschlossen, wie der Leiter der Stilllegungsabteilung sagt.

Dafür braucht Bohrmeister Lother das Vertrauen, das er vorgibt zu haben, denn „wir wissen nicht, was auf uns zukommt“, sagt sein Vorgesetzter Laske. In den 13 Einlagerungskammern könnten sich toxische oder explosive Gasmischungen gebildet haben. Möglicherweise könnte auch radioaktive Strahlung aus den Fässern ausgetreten sein, denn der Berg drückt auf die Kammern. „Wir gehen davon aus, dass Gebinde beschädigt worden sind und Strahlung austritt“, sagte Laske, „aber wir wissen es nicht.“ Das würde die Rückholung erschweren.

Noch läuft die Testphase, Lother bohrt in einem sicheren Bereich in eine 40 Meter dicke Schicht aus Salzgestein. Dahinter steht ein in Beton gehülltes Fass, so wie sie auch in Kammer 7 gestapelt oder schlicht abgekippt worden sind. Zwischen 1977 und 1978 wurden in dieser Kammer in 750 Metern Tiefe mehr als 4300 solcher Gebinde entsorgt. „Hier könnten wir auch auf Kernbrennstoffe stoßen“, sagt Laske. In der Asse lagern neben schwach radioaktiven Abfällen aus der Forschung mindestens 28,2 Kilo Plutonium.

Lother und seine Kollegen üben zunächst, mit ihrem gigantischen Bohrer so nah wie möglich an das Fass heranzugelangen, ohne es zu beschädigen. Nebenbei werden die Geräte kalibriert und der Einsatz der Sonden erprobt. Wenn das funktioniert, werden zunächst Löcher in die Kammern 7 und 12 gebohrt, um die Messungen durchzuführen und Proben nehmen zu können. Auch der Zustand der Decken und Wände soll untersucht werden. In einem zweiten Schritt werden die Kammern dann geöffnet, um den Zustand der Müllfässer bewerten zu können. Zuletzt werden mit Robotern die ersten Gebinde probeweise geborgen. Erst wenn danach feststeht, wie hoch die Strahlenbelastung für die Mitarbeiter ist, beginnt die tatsächliche Bergung. Bis es so weit kommt, dürfte noch viel Zeit vergehen: Möglicherweise muss dafür ein zweiter Schacht gebohrt werden.

Bis der betriebsbereit ist, dürften laut Laske noch einmal neun Jahre vergehen. Deshalb wird die Asse weiter mit Beton stabilisiert, damit sie über das Jahr 2020 hinaus hält. „Heute ist die Generalprobe“, sagte Laske am Donnerstag.

Der Bohrplan

In und um Kammer 7 (Grafik und Bild) sollen vier Bohrschächte getrieben werden (A bis D). Hier wurden mehr als 4300 Fässer abgekippt und gestapelt. Einige sind mit Beton ummantelt (grau in der Grafik). Bohrung A soll einen Hohlraum treffen, um toxische Gase zu ermitteln. Durch Schacht B sollen mittels Radar weitere Hohlräume gefunden werden. Bohrung C soll Wasser unter der Kammer aufspüren. Über Schacht D sollen Erkenntnisse über die Stabilität der Kammer ermittelt werden.

Karl Doeleke und Klaus Wallbaum

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