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Deutschland/Welt Brüssel will Frauenquote
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Brüssel will Frauenquote
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18:49 05.03.2012
Frauen in Führungspositionen sind in Deutschland eine Rarität. Quelle: dpa
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Brüssel

Ohne Quote geht es nicht. Das weiß auch Viviane Reding jetzt. Vor einem Jahr hatte die Vizepräsidentin der EU-Kommission, zuständig für den Justiz- und Gleichstellungsbereich, Europas führende Unternehmen eingeladen, freiwillig mehr weibliche Führungskräfte in den Chefetagen zu installieren. Das Ergebnis stellte sie am Montag vor: "Von sieben Mitgliedern in Aufsichtsräten oder Vorständen führender europäischer Unternehmen ist nur eins weiblich", stellte sie fest. "Das bedeutet eine leichte Verbesserung gegenüber 2010. Bei dieser Geschwindigkeit würde es allerdings noch immer 40 Jahre dauern, bis ein signifikantes, ausgewogenes Geschlechterverhältnis (Mindestanteil von 40 Prozent Frauen bzw. Männern) herrscht."

Die Bilanz ist tatsächlich enttäuschend. Seit dem Aufruf der Kommissarin vor einem Jahr unterzeichneten 24 Unternehmen die freiwillige Selbstvereinbarung im Internet. Aus Deutschland war nur ein Konzern dabei. Bei den hiesigen Firmen stieg der Anteil weiblicher Führungspersonen zwischen Oktober 2011 und Februar 2012 von 15,2 auf 15,6 Prozent. "Beschämend", wie es am Montag in Brüssel hieß. Deutschland liegt weit zurück. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) veröffentlichte ebenfalls am Montag in Paris ihr Zahlenmaterial: Demnach sind gerade mal fünf Prozent der Spitzenjobs fest in weiblicher Hand. Damit liegt die Bundesrepublik weit abgeschlagen hinter Frankreich (15 Prozent) und dem Musterland Norwegen (42 Prozent).

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"Ich bin kein Freund von Quoten", betonte Reding in Brüssel. Sie will nun eine öffentliche Konsultation bis Mai durchführen, um alle Beteiligten anzuhören. Dass am Ende eine Quote stehen wird, ist absehbar. Brüssel wird wohl auf die Notwendigkeit zur Harmonisierung verweisen und dann den eigenen Vorschlag EU-weit einführen: Dann müssten in drei Jahren 30 Prozent, ab 2020 rund 40 Prozent aller Führungspositionen mit Bewerberinnen besetzt werden, wenn diese über die gleiche Qualifikation wie Männer verfügen.