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Deutschland/Welt Brennstäbe in Krümmel defekt
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Brennstäbe in Krümmel defekt
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21:02 09.07.2009
Von Bernd Knebel
Vattenfall will einen Zwischenbericht zur Pannenserie im Atomkraftwerk Krümmel abgeben. Quelle: Magunia/ddp
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Mindestens ein defekter Brennstab wurde entdeckt. Dennoch versicherte der Vorstandsvorsitzende von Vattenfall Europa, Tuomo Hatakka: „Krümmel ist sicher.“ Der Reaktor werde so schnell wie möglich wieder angefahren.

Von dem Brennstabschaden wusste Vattenfall bereits seit Tagen. Der Defekt an mindestens „einem oder mehreren“ der rund 80 000 Brennstäbe im Reaktor habe mit dem Kurzschluss im Trafo vermutlich nichts zu tun, berichtete Europachef Hatakka am Donnerstag. Der Schaden, der durch Überwachungssysteme „detektiert“ worden sei, sei auf „kleine Teilchen im Reaktorwasser“ zurückzuführen, die die Ummantelung der Brennstäbe angreifen könnten. Die Brennstäbe sollen nun überprüft und wenn nötig ausgewechselt werden.

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SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier forderte das Ende des Reaktors. „Es ist an der Zeit, dass das Atomkraftwerk Krümmel jetzt abgeschaltet wird“, sagte Steinmeier. So ein Schritt sei ein „Gebot der Vernunft“. Dies sei „keine Alternative“, sagte hingegen Hatakka. Zweifel an der Zuverlässigkeit als Betreiber wies der Manager zurück. Er respektiere das. „Wir haben aber das Recht auf eine eigene Meinung.“

Die Grünen verlangen eine Sondersitzung des Umweltausschusses wegen der Krümmel-Pannen. Die Union wiederum warf Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vor, den Vorfall auszuschlachten. Gabriel selbst meldete sich am Donnerstag aus Tschernobyl zu Wort. Der SPD-Politiker bezeichnete bei einem Ukraine-Besuch die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl als mahnendes Beispiel für die deutsche Atomkraft-Diskussion. „Das Beispiel Tschernobyl vor 23 Jahren stellt uns noch heute vor die Frage, wie die Endlagerung und die Sicherung des Reaktors endgültig zu klären sind“, sagte Gabriel. Die „Unsummen“, die man dort hineinstecke, könne man besser für energieeffiziente Projekte nutzen. Der Umweltminister besichtigte erstmals den Katastrophenmeiler von Tschernobyl. Die Katastrophe setzte 1986 im Norden der damaligen Sowjetrepublik eine gewaltige radioaktive Strahlung frei.

Die Umweltexpertin der Grünen, Bärbel Höhn, bezeichnete den Zwischenbericht Vattenfalls als „die gleiche heiße Luft, die wir schon bei den letzten Problemen in Krümmel gehört haben“. Vor zwei Jahren war ein baugleicher Transformator am Kraftwerk in Brand geraten. Der Reaktor hatte daraufhin zwei Jahre lang stillgelegen.

Nach ersten Erkenntnissen des Unternehmens war für den erneuten Kurzschluss die gleiche Ursache verantwortlich wie für den Brand vor zwei Jahren. Der Fehler von damals sei offensichtlich nicht gefunden worden, hieß es.