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Deutschland/Welt Bombenanschläge auf Botschaften erschüttern Rom
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Bombenanschläge auf Botschaften erschüttern Rom
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17:32 23.12.2010
Bombenalarm in Rom. Quelle: dpa
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Kurz vor Heiligabend haben in Rom zwei Paketbomben- Anschläge auf Botschaften die italienische Hauptstadt in Terror-Alarm versetzt. Zunächst explodierte am Donnerstagmittag in der Schweizer Botschaft ein Sprengsatz. Er verletzte einen 53 Jahre alten Botschaftsangehörigen so schwer, dass er seine linke Hand verlieren könnte. Wenige Stunden später ging in Chiles Vertretung eine Bombe hoch, die ebenfalls einen Mann schwer an der Hand verletzte.

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Beide Bomben befanden sich in gelben Umschlägen in der Größe einer Videokassette. Die Ermittler vermuteten italienische Anarchisten hinter den Taten. Eine vermeintliche Paketbombe in der ukrainischen Botschaft entpuppte sich als harmlose Karte. Bekennerschreiben gab es zunächst nicht.

Erst Anfang November hatten europaweit verschickte Paketbomben für Aufregung gesorgt. Damals erhielten mehrere Botschaften in der griechischen Hauptstadt Athen sowie das Kanzleramt in Berlin explosive Post. Auf dem Flughafen der italienischen Stadt Bologna ging damals ein Paket in Flammen auf, das an Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi adressiert war. Urheber sollen damals griechische Linksextremisten gewesen sein.

Nach den Explosionen vom Donnerstag wurden in Rom die Sicherheitsvorkehrungen für alle diplomatischen Vertretungen verstärkt. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, die Maßnahmen in der Deutschen Botschaft in Rom seien erneut angepasst worden. Generell seien die Schutzvorkehrungen an deutschen Auslandsvertretungen sehr hoch.

Die italienische Polizei nahm Terrorermittlungen auf. Die Täter seien möglicherweise im anarchistischen Umfeld zu suchen, hieß es. Nach italienischen Medienberichten arbeitete auch die griechische Polizei mit den Fahndern in Rom zusammen. Die in Rom entdeckten Sprengkörper wiesen Ähnlichkeiten mit den Briefbomben auf, die vor einigen Wochen in Griechenland aufgetaucht waren.

Italiens Außenminister Franco Frattini verurteilte den Anschlag auf die Schweizer Botschaft scharf. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte, er verurteile „den feigen Anschlag“. „Mein tiefes Mitgefühl möchte ich gegenüber dem Verletzten und den Mitarbeitern der Botschaft zum Ausdruck bringen.“

In den vergangenen Wochen war immer wieder vor islamistischen Terroranschlägen in Europa gewarnt worden. Doch ins Visier der römischen Ermittler gerieten nach dem Anschlag auf die Schweizer Botschaft zunächst italienische Anarchisten, denen es möglicherweise um drei in der Schweiz festgenommene Gesinnungsgenossen ging: Constantino Ragusa, Silvia Guerini und Luca Bernasconi. Bernasconi stammt aus dem schweizerischen Tessin, hat aber seinen Wohnsitz in Italien. Die drei sollen am 15. April unter dem Verdacht verhaftet worden sein, einen Anschlag auf den Schweizer Sitz des US- amerikanischen IT-Konzerns IBM vorbereitet zu haben.

Zitiert wurden in italienischen Medien zudem Schweizer Behörden, nach denen das Trio einer öko-terroristischen Gruppe mit dem Namen „Il Silvestro“ angehöre. In ihrem Wagen seien damals beachtliche Mengen an Sprengstoff gefunden worden.

Erst am Dienstag hatte ein verdächtiges Päckchen in Roms U-Bahn für Aufregung gesorgt. Bürgermeister Gianni Alemanno gab wenige Stunden später jedoch Entwarnung. Das Päckchen sei nicht explosiv gewesen. In Deutschland hatte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) Mitte November vor Anschlägen islamistischer Terroristen gewarnt. Als Folge wurden die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen, Bahnhöfen und Grenzen deutlich verschärft.

Ende Oktober war eine im Jemen aufgegebene Paketbombe auf dem Köln-Bonner Flughafen für den Weiterflug umgeladen und erst in Großbritannien entdeckt worden.

dpa