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Deutschland/Welt Birthler-Behörde enttarnt Hausmeister als früheren Stasi-Spitzel
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18:56 20.04.2011
In der Stasi-Unterlagen-Behörde war 18 Jahre ein ehemaliger Spitzel als Hausmeister tätig.
In der Stasi-Unterlagen-Behörde war 18 Jahre ein ehemaliger Spitzel als Hausmeister tätig. Quelle: dpa
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Ein früherer Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der DDR-Staatssicherheit war mehr als 18 Jahre unerkannt in der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen als Hausmeister angestellt. Der 55-Jährige wurde jetzt bei einer Überprüfung aller Beschäftigten enttarnt. Der neue Bundesbeauftragte Roland Jahn habe sich am Mittwoch nach Bekanntwerden der Stasi-Vergangenheit unverzüglich von dem Mitarbeiter getrennt, teilte Sprecherin Dagmar Hovestädt mit.

Der Ex-Spitzel war anhand von rekonstruierten Stasi-Unterlagen ermittelt worden. Die zerrissenen Papiere waren per Hand zusammengefügt worden. Demnach war er von 1979 bis 1985 für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) tätig. Auf 123 Seiten seien eine IM-Registrierung und handschriftliche Treffberichte gefunden worden. Die Dokumente seien eindeutig, so die Sprecherin.

„Als Behörde zur Aufarbeitung der Tätigkeit des Ministeriums für Staatssicherheit sind wir zu besonderer Glaubwürdigkeit verpflichtet“, sagte Jahn. Der frühere IM war seit 1992 bei der Bundesbehörde beschäftigt. Sein Arbeitsvertrag sei in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst worden.

Zuletzt seien die Mitarbeiter der Bundesbehörde 2004 umfassend überprüft worden, so Sprecherin Hovestädt. Damals sei der frühere IM nicht aufgefallen. Die Behörde hatte sich nach ihren Angaben bereits in den 90er Jahren von sechs früheren Inoffiziellen Mitarbeitern und einem Offizier im besonderen Einsatz nach ihrer Entdeckung getrennt. Sie hatten ebenfalls ihre Stasi-Karrieren verschwiegen.

Für Empörung gerade bei einst Verfolgten sorgte auch immer wieder, dass noch knapp 50 frühere hauptamtliche Stasi-Leute in der Bundesbehörde beschäftigt sind. Ihre Vergangenheit ist aber bekannt. Jahn hatte bereits in seiner Antrittsrede Mitte März deutlich gemacht, die weitere Beschäftigung dieser Ex-Stasi-Mitarbeiter nicht hinzunehmen. Er sprach von einem Schlag ins Gesicht der Opfer.

In der Vergangenheit hieß es, die früheren Stasi-Leute könnten wegen des Arbeitsrechts nicht gekündigt werden. Sie waren vom damaligen Bundesinnenministerium übernommen worden. Nun gibt es Überlegungen, diese früheren Stasi-Hauptamtlichen aus der Bundesbehörde zu entfernen und in anderen Bundeseinrichtungen unterzubringen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ tue sich das Finanzministerium aber schwer mit den Versetzungen, das neue Stellen geschaffen werden müssten.

dpa