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Deutschland/Welt Betreuungsgeld schafft Bildungsnachteile
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12:50 19.04.2012
Mütter an Herd und Heim binden und dafür Geld kassieren - so sieht es das umstrittene Betreuungsgeld vor.
Mütter an Herd und Heim binden und dafür Geld kassieren - so sieht es das umstrittene Betreuungsgeld vor. Quelle: dpa
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Berlin

Auch in den skandinavischen Ländern, die stets als Vorreiter für Familien- und Bildungspolitik angeführt werden, ist die staatliche Hilfe ein Thema. Denn: In Finnland, Schweden und Norwegen gibt es das Angebot teilweise schon seit den 1980er Jahren.

Über ihre Erfahrungen hat die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung jetzt eine Studie vorgelegt. Quintessenz: Zu Hause erzogene Kinder haben oft Bildungsnachteile. Damit gibt die Expertise den Kritikern Recht, die genau das befürchten. Nach der Studie beziehen vor allem Mütter mit geringem Einkommen, niedrigem Bildungsniveau und Migrationshintergrund die Unterstützung. Das Betreuungsgeld, das in allen drei Ländern etwa zehn Prozent eines durchschnittlichen Monatslohn beträgt, wirke sich negativ auf die Beschäftigung von Müttern und auf die Nutzung von öffentlichen Kinderbetreuungsangeboten aus. Insgesamt verstärke das Angebot die traditionellen Geschlechterrollen - auch das ein Argument der Skeptiker in Deutschland.

Besonders stark sind die negativen Folgen laut Studie in Finnland, wo es das Betreuungsgeld seit Mitte der 1980er Jahre gibt. Dort erhalten Familien, die die Unterstützung in Anspruch nehmen, - anders als in Norwegen oder Schweden - zudem Zusatzleistungen. Ergebnis der Wissenschaftler: Die finanzielle Hilfe biete den Eltern Anreize, das staatliche Angebot nicht zu nutzen. Mit der angeführten Konsequenz: Nachteile bei der frühkindlichen Bildung.

Eines der wichtigsten Argumente für die Einführung der staatlichen Hilfe in den drei Ländern sei - wie bei den Befürwortern in Deutschland - die Entscheidungsfreiheit der Eltern gewesen. Ökonomische Gründe hätten eher vereinzelt eine Rolle gespielt.

Ungewiss ist, wie in den skandinavischen Ländern in Zukunft mit der Hilfe verfahren wird: Während sie in Finnland als akzeptiert gilt, werden in Norwegen und Schweden, wo es das Betreuungsgeld seit 1998 und 2008 gibt, nach wie für heftige Debatten darüber geführt. Und nach der Studie werden die Stimmen dafür lauter, die finanzielle Hilfe wieder abzuschaffen.