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Deutschland/Welt Bei der HRE drohen neue Verluste
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Bei der HRE drohen neue Verluste
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20:45 28.07.2009
Von Alexander Dahl
HRE-Vorstandschef Axel Wieandt beim Untersuchungsausschuss des Bundestages. Quelle: Axel Schmidt/ddp
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„Mit der Immobilienkrise steigen die Risiken derzeit stark an, so das weitere Abschreibungen nötig sein könnten“, erklärte am Dienstag Axel Wieandt, HRE-Vorstandschef, vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages zu den Ursachen des Debakels seines Instituts.

Wieandt machte deutlich, dass die Beleihungswerte der Immobilien, auf deren Grundlage Kredite vergeben wurden, nicht mehr mit den Vermögenswerten übereinstimmen. Die Häuser und Grundstücke dienen als Kreditsicherheit für die HRE; bei ihrem Verkauf lägen die Erlöse aber unter der Darlehenssumme.

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Wieandt räumte in der Befragung zudem ein, dass etwa 80 Prozent der deutschen staatlichen Bürgschaftsgarantien nach Irland weitergereicht worden sind, da die dortige HRE-Tochter Depfa in besonders dramatischen Schwierigkeiten steckt. Sollte deren Rettung nicht gelingen, müsste deutsches Steuergeld nach Dublin fließen, um die Bürgschaftsverpflichtungen einzulösen. Die Gruppenverflechtung im Konzern sei zu groß; eine Rettung der HRE ohne die Depfa sei nicht möglich gewesen, sagte Wieandt, der die Depfa als „Ursache für unsere existenzbedrohende Krise“ einstufte. Die Depfa hatte langfristige Geschäfte im Pfandbriefbereich mit kurzfristigen Krediten gesichert; im Zuge der Finanzkrise und nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers blieben diese aus.

An der Zuweisung staatlicher Hilfsgelder an die HRE verdient laut Wieandt die Bankenwirtschaft. Das Geld werde nicht von der Bundesbank direkt an die HRE, sondern über ein Konsortium der Privatbanken geleitet. „Dafür wird uns eine Marge berechnet“, so Wieandt.

Auch Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, verteidigte den Eingriff des Staates bei HRE. Der Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken wäre bei einer HRE-Pleite überfordert gewesen; der Finanzplatz Deutschland habe vor dramatischen Verwerfungen gestanden. Ackermann kritisierte massiv die Geschäftsführung des alten HRE-Vorstandes. Dessen Liquiditätsmanagement sei wahrlich kein Modellfall gewesen; „bei einer wirklich guten Bank sieht das anders aus“, so der Vorstandschef. Die Gefahr einer neuen großen Finanzkrise schätzte Ackermann im Ausschuss als weiterhin hoch ein. Gefährlich sei weniger die Größe einer einzelnen Bank, sondern vielmehr die Tatsache, dass die Geldhäuser international vernetzt seien. „Wenn kleine Länder wie Deutschland die Deutsche Bank oder die Schweiz die Schweizer Bank retten sollen, dann ist das kaum möglich“, sagte Ackermann. Und: „Der Druck der Märkte zu höheren Risiken ist wieder da.“

Der frühere Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Thomas Mirow, mahnte im Zuge seiner Befragung „Waffengleichheit zwischen den Banken und dem Bundesaufsichtsamt für das Finanzwesen“ (Bafin) an. Es sei nicht wichtig, wie viele Leute dort arbeiten, sondern, dass es Menschen sind, die als Experten Vorgänge in den Banken wirklich beurteilen könnten. Bei der Finanzkrise konnten das allerdings nicht einmal die Banken selbst. „Im Sommer 2008 dachten wir, dass sich die Lage stabilisiert hat – eine Fehleinschätzung, wie wir heute wissen“, bekannte Ackermann.

Kurz vor dem Kollaps

Deutschland stand am 28. September 2008 offenbar unmittelbar vor einem Kollaps seines Bankensystems. „Und es drohte ein Abschmelzen weit über Deutschland hinaus“, erklärte Josef Ackermann, Vorstandschef der Deutschen Bank, am Dienstag im Bundestagsuntersuchungsausschuss zur Krise der Bank HRE. Laut Ackermann stand am späten Abend fest, dass am folgenden Tag der HRE-Zusammenbruch bevorstand. Das Bundesfinanzministerium habe Staatshilfen dennoch abgelehnt. Mit eigenen Hilfen der „schwachen Banken“ seien diese überfordert gewesen.

Gegen 22.30 Uhr habe er dann Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) angerufen. Dieser habe jedoch einen Hilfsbeitrag der Banken für die HRE in Höhe von 17,5 Milliarden Euro gefordert; er habe nur sieben Milliarden zusagen können. Später habe er via Handy mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefoniert, die ihm in Verhandlungen einen Beitrag von 8,5 Milliarden abgerungen habe. „Hätte ich um 0.45 Uhr nicht das Gespräch mit ihr bekommen, dann wäre alles zu spät gewesen und für Deutschland eine gefährliche Lage entstanden“, sagte Ackermann. Die Pressekonferenz zur HRE-Pleite sei zu dem Zeitpunkt schon geplant worden.