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Deutschland/Welt Aus diesen Ländern kommen die kriminellen Clan-Strukturen nach Deutschland
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09:08 18.01.2019
Polizisten stehen bei einer Razzia gegen Clan-Kriminalität in der nördlichen Innenstadt in Essen in einem Lokal. Quelle: Ina Fassbender/dpa
Berlin

Das Bundeskriminalamt (BKA) will sich intensiver als bisher um die Taten ausländischer Clans kümmern. Das sagte eine Sprecherin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). So werde im nächsten Lagebild zur Organisierten Kriminalität, das im Mai oder Juni veröffentlicht werde, erstmals ein Kapitel enthalten sein mit der Überschrift: „Kriminelle Mitglieder von Großfamilien ethnisch abgeschotteter Subkulturen“.

Zur Begründung sagte sie: „Die Kriminalität von Angehörigen türkisch- und arabischstämmiger Großfamilien zeichnet sich durch eine grundsätzlich ethnisch abgeschottete Familienstruktur aus, die unter Missachtung der vorherrschenden staatlichen Strukturen, deren Werteverständnis und Rechtsordnung eine eigene, streng hierarchische, delinquente Subkultur bildet.“ In den bisherigen Lagenbildern habe man das Thema nur gestreift.

Ermittlungsschwerpunkte bestünden derzeit in Berlin, Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, so die Sprecherin. Soweit erforderlich, unterstütze das BKA hier die Länder. Diese trügen umgekehrt Erkenntnisse zum Lagebild bei.

Clan-Kriminalität „über Jahre entwickelt“

Auch der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek, rechnet mit zunehmenden Aktivitäten. „Diese Art der Kriminalität hat sich über Jahre entwickelt“, sagte er dem RND und fuhr mit Blick auf die jüngste Großrazzia in Nordrhein-Westfalen fort: „Es wird nicht bei einer Wochenendrazzia bleiben. Wir werden uns da häufiger zeigen.“ Allerdings sei der Kampf gegen die Clan-Kriminalität sehr personalintensiv, weil sie vom Steuerbetrug bis zum Menschenhandel viele Delikte umfasse, ergänzte Radek. „Da steckt auch eine Menge Vorbereitungszeit drin.“

Zuletzt hatten sich Polizei-Aktionen gegen die Clan-Kriminalität gehäuft. Im Ruhrgebiet gingen am Samstagabend 1300 Beamte gegen Verdächtige vor – so unter anderem in Dortmund, Essen, Duisburg, Recklinghausen und Gelsenkirchen. Sie durchsuchten Shisha-Bars, Wettbüros, Cafés und Teestuben. Es gehe um den Verdacht der Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit, sagte eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Innenministeriums. Erst Anfang Dezember hatten Ermittler bei groß angelegten Razzien gegen die italienische Mafia-Organisation 'Ndrangheta in Deutschland und anderen Staaten fast 90 Verdächtige festgenommen. Dabei ging es um Drogenhandel, vor allem mit Kokain, und Geldwäsche.

Berlin: Arafat Abou-Chaker festgenommen

In Berlin wurde soeben der Clan-Chef Arafat Abou-Chaker nach einem Gerichtstermin in Berlin-Tiergarten festgenommen. Er soll geplant haben, Frau und Kinder des Rappers Bushido zu entführen. Zugleich läuft in Berlin ein Prozess gegen drei Mitglieder einer arabischen Großfamilie mit deutschem Pass, die eine zwei Zentner schwere Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen haben sollen.

Während manche Experten den Begriff Clan nur mit Menschen aus muslimischen Ländern in Verbindung bringen, waren im Jahr 2017 laut BKA von den ausländisch geprägten kriminellen Gruppen mit 77 die meisten türkisch dominiert, gefolgt von polnischen, albanischen, litauischen, russischen, italienischen, nigerianischen, bulgarischen, libanesischen und serbischen Gruppen. Arabische standen erst auf Platz neun. Die Zahl der Ermittlungsverfahren im Bereich Organisierte Kriminalität betrug in demselben Jahr 572, die Anzahl der Tatverdächtigen 8317. Deutsche Staatsbürger bilden mit circa 29 Prozent eine relative Minderheit.

Deutsche Staatsbürger in der Minderheit

Das Besondere an der Organisierten Kriminalität von Tätern aus muslimischen Ländern sei, dass diese miteinander verwandt seien, sagen Experten. Das wiederum bedeutet nicht, dass alle Mitglieder entsprechender Großfamilien gleichermaßen kriminell sind. Oft ragen einige Intensivtäter heraus. Tatsache ist, dass sie sich der deutschen Justiz in der Regel nicht beugen, sondern sich nach außen abschotten und interne Streitigkeiten bei Bedarf mit Gewalt regeln.

Clan-Experte im Interview:
„Clans betrachten die deutsche Gesellschaft als Beutegesellschaft“

Seit 2017 gibt es ein Gesetz, dass es erlaubt, Vermögen von Clans zu beschlagnahmen, wenn die Möglichkeit besteht, dass es mit Geld aus kriminellen Taten erworben wurde. Die Berliner Polizei machte davon im vorigen Jahr Gebrauch, als sie auf einen Schlag 77 Immobilien eines deutsch-arabischen Clans konfiszierte. Während manche Juristen wie der Berliner Anwalt Kai Peters dies für rechtswidrig halten, weil es die Unschuldsvermutung außer Kraft setze, argumentiert der Clan-Experte und Buchautor Ralph Ghadban genau anders herum.

Er beklagt, dass am Ende immer noch ein Gericht beweisen müsse, dass das Vermögen aus kriminellen Aktivitäten stamme. Deshalb sei das Gesetz nicht effektiv. „Wenn man bei einem Hartz IV-Bezieher eine Million Euro findet, dann sollte der Staat nicht beweisen müssen, dass sie geklaut sind, sondern der Bezieher müsste beweisen, woher das Geld kommt“, sagte Ghadban dem RND. Dennoch sei die jüngste „Taktik der Nadelstiche gegen die Clans“ sehr gut. Die Sicherheitsbehörden hätten verstanden, wie gefährlich sie seien.

Von Markus Decker/RND

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