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Deutschland/Welt Ausschuss plädiert für Trisomie-Bluttest als Kassenleistung
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Ausschuss plädiert für Trisomie-Bluttest als Kassenleistung
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16:20 22.03.2019
Ein sogenannter «Praena-Test» der Firma LifeCodexx, der über eine vorgeburtliche Blutentnahme Aufschluss über eine mögliche Erkrankung des Kindes an Trisomie 21 geben soll. Quelle: Tobias Kleinschmidt/dpa
Berlin

Der Bluttest auf eine mögliche Trisomie des ungeborenen Kindes soll nach Ansicht des höchsten Entscheidungsgremiums der gesetzlichen Krankenversicherung künftig von den Kassen bezahlt werden. Der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Josef Hecken erklärte in einer am Freitag veröffentlichen Beschlussempfehlung des Gremiums, angesichts der Risiken herkömmlicher Untersuchungen sowie der belegten hohen Testgüte der geprüften Bluttests sehe er eine Anerkennung als medizinisch begründet an. Hecken ergänzte, es gehe dem G-BA ausdrücklich um die Anwendung des Tests bei Schwangerschaften mit besonderen Risiken. „Es geht nicht etwa um eine Reihenuntersuchung aller Schwangeren“, betonte er.

Bundestag will Debatte

Eine endgültige Entscheidung des G-BA wird frühestens für August erwartet. Vorher will der Bundesausschuss noch Experten wie die Bundesärztekammer, die Gendiagnostik-Kommission oder den Deutschen Ethikrat anhören. Hecken hatte im Vorfeld auch mehrfach klar gemacht, dass er die im Bundestag geplante Debatte und mögliche Beschlussfassung über den Bluttest als Kassenleistung begrüßt.

Der Bundestag ist völlig frei darin, ob er den Beschlüssen des G-BA folgt oder die Gesetzeslage doch noch ändert. Wie sich das Parlament verhalten wird, ist aber noch völlig offen. Eine erste „Orientierungsdebatte“ ist in der zweiten Aprilwoche geplant.

Inkrafttreten frühestens Herbst 2020

Unternimmt das Parlament jedoch nichts und legt auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kein Veto ein, dann könnte der Beschluss des G-BA in Kraft treten, allerdings erst im Herbst 2020. Denn die Beschlussempfehlung sieht auch vor, dass die Patienten besser aufgeklärt werden. Diese neue Versicherteninformation muss erst noch erarbeitet werden.

Bislang müssen Eltern die Gentests privat bezahlen. Die herkömmlichen Methoden Fruchtwasseruntersuchung oder Plazentabiopsie, die bei Risikoschwangerschaften derzeit von den Kassen bezahlt werden, bergen ein Risiko für Fehlgeburten. Der sogenannte nicht-invasive Test ist dagegen praktisch risikofrei, weil nur der Mutter Blut abgenommen wird.

Test ist umstritten

Der Gentest ist allerdings umstritten. Vor allem Behindertenverbände kritisieren eine mögliche Zulassung als Kassenleistung. Sie befürchten Reihenuntersuchungen, an dessen Ende sich kaum noch Eltern für behinderte Kinder entscheiden und damit der Druck auf Behinderte selbst wächst

Die Patientenvertretung im Ausschuss plädierte dafür, die Tests generell erst ab der zwölften Schwangerschaftswoche zur Kassenleistung zu machen und die Beratung der Frauen zu erweitern. Abtreibungen sind nach diesem Zeitraum nicht mehr ohne weiteres möglich. Dem schlossen sich die anderen Vertreter im Ausschuss, also Kassen und Ärzte, allerdings nicht an.

Von Timot Szent-Ivanyi/RND

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