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Deutschland/Welt Armee erobert Heimatdorf von Taliban-Führer Mehsud
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Armee erobert Heimatdorf von Taliban-Führer Mehsud
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13:40 25.10.2009
Quelle: afp
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Bei erbitterten Kämpfen um das Dorf wurden nach Militärangaben am Wochenende mindestens 15 Aufständische und ein pakistanischer Soldat getötet. Washington kündigte einen „baldigen Besuch“ von US-Außenministerin Hillary Clinton in Pakistan an.

Nach Armeeangaben hatten die Sicherheitskräfte das Dorf seit Montag umstellt und sich seitdem erbitterte Kämpfe mit den Taliban geliefert. Kampfflieger und Hubschrauber beschossen mutmaßliche Stellungen der Aufständischen in der Umgebung. Die Besetzung des Dorfes sei ein „wichtiger Durchbruch“, auch weil es die Geburtsstadt von Mehsud und Qari Hussain sei, sagte ein Armeesprecher. Mehsud ist der Anführer der islamistischen Gruppierung Tehreek-e-Taliban (TTP), Hussain gilt ebenfalls als ranghohes TTP-Mitglied. Die Gruppierung wird für die Mehrzahl der Anschläge in Pakistan in den vergangenen beiden Jahren verantwortlich gemacht, durch die fast 2300 Menschen starben.

Kotkai war laut Armee eine Taliban-Hochburg: Viele Häuser wurden demnach von den Aufständischen in Bunker umgewandelt, außerdem seien dort Selbstmordattentäter ausgebildet worden. Sicherheitskräfte versuchten nach Angaben eines Armeesprechers am Sonntag, das Gelände von versteckten Sprengsätzen und Minen zu befreien. Über den Verbleib der Taliban-Führer Mehsud und Hussain wurde zunächst nichts bekannt.

Die Truppen rückten am Sonntag weiter auf mutmaßliche Positionen der Aufständischen vor. Nach 16-stündigem Kampf konnte die Armee nach eigenen Angaben den Gipfel des strategisch wichtigen Berges Tarkona Narai unter Kontrolle bringen. In den schwer zugänglichen Regionen Shesham Wam und Baddar nahe der Grenze zu Afghanistan gab es ebenfalls schwere Gefechte zwischen Armee und islamistischen Milizen.

Pakistan hatte am 17. Oktober die Offensive in Süd-Waziristan begonnen und etwa 30.000 Soldaten in den Kampf gegen schätzungsweise bis zu 12.000 Taliban-Rebellen geschickt. Seitdem wurden nach pakistanischen Angaben mindestens 160 Aufständische und mehr als 20 Soldaten getötet. Die Zahlen sind wegen der abgeschotteten Einsatzgebiete nur schwer von unabhängiger Seite zu bestätigen. Die Offensive kommt wegen des schwer zugänglichen Geländes nur langsam voran: Kotkai etwa liegt nur rund zehn Kilometer von dem Ort entfernt, an dem der Vormarsch begonnen hatte.

Ungeachtet der anhaltenden Gewalt kündigte das US-Außenministerium einen „baldigen Besuch“ Clintons in Pakistan an. Aus Sicherheitsgründen könne jedoch kein genaues Datum genannt werden, sagte US-Außenamtssprecher P.J. Crowley am Freitag in Washington.

Die USA unterstützen die pakistanische Offensive auch militärisch. Bei einem US-Drohnenangriff in den Stammesregionen wurden am Samstag mindestens 14 Menschen getötet. Nach Angaben örtlicher Behörden wurde ein Haus in dem Dorf Damadola im Bezirk Bajaur getroffen. Bei den Toten handelte es sich nach Angaben pakistanischer Sicherheitskräfte um aufständische Islamisten, drei von ihnen „ausländische Kämpfer“. Ebenfalls in Bajaur starben beim Absturz eines Militärhubschraubers am Sonntag sechs pakistanische Soldaten, Grund des Unglücks war laut Armee ein technischer Fehler.

afp