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Deutschland/Welt Anwalt: „Gorch Fock“-Kadettin nicht übergewichtig
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Anwalt: „Gorch Fock“-Kadettin nicht übergewichtig
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17:49 08.02.2011
Die damals 25-jährige Offiziersanwärterin war im vergangenen November auf dem Schulschiff "Gorch Fock" tödlich verunglückt.
Die damals 25-jährige Offiziersanwärterin war im vergangenen November auf dem Schulschiff "Gorch Fock" tödlich verunglückt. Quelle: dpa
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Neue Vorwürfe und ein Dementi: Das Marine-Schulschiff „Gorch Fock“ kommt nicht heraus aus den Schlagzeilen. Die „Bild“-Zeitung meldete am Dienstag unter Berufung auf einen internen Untersuchungsbericht der Marine, kurz vor dem tödlichen Unfall einer Offiziersanwärterin im November sei bei der Einweisung von Vorgesetzten geschlampt worden. Unterdessen widersprach der Anwalt der Mutter der Kadettin Berichten, dass die 25-Jährige übergewichtig und deshalb nicht tauglich für den Dienst an Bord gewesen sei. Statt 83 Kilogramm wie berichtet habe sie gut 60 Kilo gewogen, sagte der Hamelner Anwalt Thomas Kock der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag.

Die Mutter des Unfallopfers sei „erschüttert“ über die falschen Angaben. Die Verunglückte sei „eine schlanke sportliche Frau“ gewesen. Wo die unzutreffende Gewichtsangabe herkomme, sei ihm unklar, sagte der Anwalt. Bisher habe er bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Kiel keine Akteneinsicht erhalten.

Dass die Kadettin möglicherweise wegen ihrer vergleichsweise geringen Körpergröße von 1,58 Metern für den Dienst auf dem Schulschiff ungeeignet gewesen sein könnte, „steht auf einem anderen Blatt“, sagte Kock. Informationen darüber habe er noch nicht. Der Tod der Kadettin sei die Folge eines Ausbildungsfehlers gewesen. „Sie war ziemlich erschöpft.“ Vor dem tödlichen Sturz habe sie mehrfach „rauf- und runterentern“ müssen.

Die Kieler Staatsanwaltschaft erklärte am Dienstag, sie prüfe auch die „Borddienstverwendungsfähigkeit“ der ums Leben gekommenen Offiziersanwärterin. Bei den Untersuchungen zu dem Todesfall stehe die Behörde in engem Kontakt zum Verteidigungsministerium und zu den nachgeordneten Dienststellen.

Die „Bild“-Zeitung meldete unter Berufung auf den internen Untersuchungsbericht der Marine, der damals verantwortliche Unteroffizier sei erst zwei Tage an Bord gewesen. Auf eine ordentliche Einweisung sei verzichtet worden. Dem Bericht zufolge kam der Unteroffizier, der zum Unfallzeitpunkt auf einer Plattform in der Takelage stand, wie die Verunglückte erst am 5. November an Bord. Zwei Tage später stürzte die 25-Jährige in die Tiefe. Wörtlich zitiert das Blatt: „Eine Einweisung in seine Pflichten, Aufgaben, speziell während der Segelvorausbildung in der Takelage, hat nicht stattgefunden, da man der Meinung war, dass er wissen müsste, was er zu tun und zu lassen hat.“

Das Verteidigungsministerium wollte sich dazu nicht näher äußern. Auch die Frage, ob die 25-Jährige möglicherweise zu dick für den Dienst an Bord war, wurde an die Staatsanwaltschaft Kiel weitergereicht. Ein Ministeriumssprecher sagte, „alle relevanten Dokumente“ seien dorthin übergeben worden. Zum Inhalt der Papiere äußerte er sich mit Verweis auf die laufenden Untersuchungen nicht.

Die „Gorch Fock“ befindet sich auf der Heimreise von Argentinien nach Deutschland. Mitte Februar soll sie in Chile Zwischenstopp machen. Ende April/Anfang Mai wird sie zurück im Heimathafen Kiel erwartet.

dpa

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