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Deutschland/Welt An 600 deutschen Kliniken wollen die Ärzte streiken
Nachrichten Politik Deutschland/Welt An 600 deutschen Kliniken wollen die Ärzte streiken
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22:16 10.01.2012
Von Juliane Kaune
Foto: Bis zu 50.000 Mediziner sind dazu aufgerufen, die Arbeit niederzulegen.
Bis zu 50.000 Mediziner sind dazu aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Quelle: dpa
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Berlin/Hannover

Nach Gewerkschaftsangaben droht vom 26. Januar an ein unbefristeter Streik, der den Klinikbetrieb nachhaltig behindern werde. Bis zu 50.000 Mediziner sind dazu aufgerufen, die Arbeit niederzulegen – darunter auch rund 1000 Ärzte des Klinikums Region Hannover.

Bereits am Donnerstag treffen Gewerkschaftsvertreter und Ärzte der zwölf kommunalen Krankenhäuser des Regionsklinikums zusammen, um das Vorgehen abzustimmen. Die Ärztefunktionäre gehen davon aus, dass an jedem Streiktag bis zu 400 der Ärzte des Klinikums die Arbeit niederlegen werden. Nach Angaben der Gewerkschaft müssen sich Patienten im Falle eines Streiks darauf einstellen, dass planbare Eingriffe verschoben werden – nur Notfälle würden uneingeschränkt versorgt. Grundsätzlich sollen alle Bereiche der Krankenversorgung in den Streik einbezogen werden. „Äußerste Zurückhaltung“ gelte aber bei Stationen, auf denen Kinder oder Krebspatienten behandelt werden, sagte der Landesgeschäftsführer des Marburger Bundes, Wolfgang Boss.

Mit einem Anteil von 40 Prozent gehört das Klinikum Region Hannover zu den Marktführern am regionalen Krankenhausmarkt. Zuletzt wurden dort mehr als 134.000 Patienten pro Jahr stationär versorgt.

Die seit September laufenden Tarifverhandlungen zwischen dem Marburger Bund und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) über höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen waren Anfang Dezember gescheitert. Die Mediziner fordern sechs Prozent mehr Lohn und eine höhere Bezahlung der Bereitschaftsdienste sowie eine Reduzierung dieser Einsätze auf vier pro Arzt und Monat. Die Arbeitgeberverbände fordern die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Wir sind dazu bereit“, sagte VKA-Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann. Ein Streik belaste die Patienten und verschärfe die Finanzkrise der Kliniken. Die Arbeitgeber hatten zuletzt eine Lohnerhöhung um 1,48 Prozent angeboten – nach ihrer Rechnung machen alle Forderungen der Gewerkschaft eine reale Gehaltssteigerung um 9,5 Prozent aus.

Der Ärzteverband Hartmannbund nannte das Vorgehen der Arbeitgeber „scheinheilig“. Beim Marburger Bund heißt es, man warte auf ein „zustimmungsfähiges Angebot“. Am Dienstag blieb offen, ob die Parteien die Gespräche wieder aufnehmen. An den Uni-Kliniken konnte im November ein Ärztestreik im letzten Moment abgewendet werden.

Jeder dritte Krankenhausarzt in Deutschland arbeitet an einer kommunalen Klinik. Nach Gewerkschaftsangaben liegt das Einstiegsgehalt bei rund 3736 Euro brutto, die höchste Gehaltsstufe rangiert bei rund 7000 Euro.