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Deutschland/Welt Amtszeit von Japans Kaiser Akihito ist vorbei – nun beginnt die Reiwa-Ära
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Amtszeit von Japans Kaiser Akihito ist vorbei – nun beginnt die Reiwa-Ära
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20:10 30.04.2019
Japans Kaiser Akihito (rechts) ist zurückgetreten. Im Hintergrund sein Sohn und Nachfolger Naruhito (Mitte). Quelle: Japan Pool via AP
Japan

In Japan ist die Heisei-Zeit offiziell vorbei. Die Abdankung von Kaiser Akihito wurde mit dem Mitternachtsschlag am Dienstag (Ortszeit) wirksam. Sein Sohn Naruhito wird den Chrysanthementhron am Mittwoch besteigen - damit beginnt in Japan die Ära Reiwa, was als „schöne Harmonie“ übersetzt wird. Heisei bedeutet in etwa „Frieden schaffen“.

Am Dienstag hatte Akihito seine letzte Rede als Tenno gehalten. Der 85-Jährige dankte dem japanischen Volk für seine Unterstützung in den vergangenen 30 Jahren. Dem Land und der gesamten Welt wünschte er Frieden und Wohlstand unter seinem Sohn. In Japan ist der Kaiser als Symbol für Staat und Einheit des Volkes definiert. Er hat keine politische Macht.

Der letzte Tag von Akihitos Ära war von großem Zeremoniell begleitet. Der Monarch betrat am Morgen zunächst den Schrein Kashikodokoro, um gemäß dem Shinto-Glauben den Göttern seinen Abschied kundzutun. Trotz nasskaltem Wetter und Zutrittsverbot standen schon Stunden vor der Abdankungszeremonie viele Menschen vor dem Palast. „Wir sind gekommen, weil heute der letzte Tag von Heisei ist, und wir fühlen uns nostalgisch“, sagte die 55-jährige Akemi Yamauchi, die mit ihrem Ehemann vor dem Palast stand. „Wir mögen den jetzigen Kaiser. Er hat hart für die Menschen gearbeitet, er ist sehr bedächtig und freundlich zu jedem“, sagte ihr Mann Kaname.

Alter Kaiser nicht immer einer Meinung mit Regierung Abes

Im Namen des japanischen Volkes bedankte sich Ministerpräsident Shinzo Abe bei Akihito. Der Monarch habe während seiner Amtszeit zum Wohle aller Japaner nach Frieden und Glück gestrebt und ihnen in schwierigen Zeiten Trost gespendet. Besondere Ereignisse in seiner Ära waren etwa der Tsunami 2011, ein Erdbeben in Kobe 1995 und der Nervengasangriff in der U-Bahn in Tokio im gleichen Jahr, der das Sicherheitsgefühl vieler Japaner erschütterte. Sie wurden nochmals in Rückblicken im japanischen Fernsehen gezeigt, wo ein Countdown bis zum Ende der Ära Heisei lief.

Abe und dessen ultrakonservative Unterstützer schienen in den vergangenen Jahren nicht immer einer Meinung mit Akihito zu sein, vor allem was ihre Versuche angeht, eine stärkere Rolle des Militärs in die pazifistisch orientierte Nachkriegsverfassung Japans aufzunehmen. Der Kaiser hatte immer wieder gemahnt, Lehren aus den Schrecken des Zweiten Weltkriegs zu ziehen. Er ist der erste japanische Kaiser, in dessen Ära es keinen Krieg gab - in Ländern wie China und auf den Philippinen drückte er Bedauern über den vorherigen Krieg aus und nahm so schließlich eine Rolle als Friedensstifter ein.

Beobachter: Naruhito wird sich stärker um globale Fragen kümmern

Die Ära seines Sohnes dürfte nicht so stark im Schatten des Zweiten Weltkriegs stehen. Der 59-Jährige wird sich nach Einschätzung von Palastbeobachtern vielmehr um globale Fragen kümmern, darunter Katastrophenprävention und Wasserschutz. Er wurde geprägt vom modernen Rollenverständnis seiner Mutter, der als Bürgerliche geborenen Kaiserin Michiko, und von Akihito, die ihre Kinder weitgehend selbst groß zogen, anstatt dies dem Palastpersonal zu überlassen. Seine von Depressionen geplagte Frau Masako hat Naruhito gegen Kritiker verteidigt. Sie stand unter großem Druck, einen männlichen Thronfolger zu gebären.

Mit dem Mai wechselt Japan nun in die Ära Reiwa: Naruhito wird der 126. Kaiser der ältesten Erbmonarchie der Welt, die bis ins 5. Jahrhundert zurückreicht. Seinen Vater kann er bei der Thronbesteigung am Mittwoch nicht erwarten: Akihito als Kaiser emeritus will durch seine Anwesenheit nicht den neuen Kaiser stören.

Von RND/dpa