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Deutschland/Welt AfD im Bundestag: Gekommen, um zu bleiben
Nachrichten Politik Deutschland/Welt AfD im Bundestag: Gekommen, um zu bleiben
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19:25 24.09.2017
AfD-Wahlparty in Baden-Württemberg. Quelle: dpa

Die AfD ist drittstärkste Kraft im Bundestag. Worin liegen die Ursachen für den Erfolg?

Die Hauptursache liegt im Zentrum der Gesellschaft. Für die AfD zu stimmen, wird von vielen als ein Akt der Verteidigung des eigenen, oftmals bescheidenen Wohlstands betrachtet. AfD-Wähler haben materiell etwas zu verlieren und können kulturell nichts gewinnen. Sie wollen nicht teilen und betrachten die „da oben“ als Verräter ihrer Interessen nach Sicherheit und Stabilität. All denen, die so denken, macht die AfD das Angebot: Grenzen dicht und Wohlstand nur für Einheimische.

Müssen wir uns auf eine dauerhafte Präsenz der AfD im Bundestag einstellen?

Davon müssen wir ausgehen. Denn die AfD spiegelt nicht nur Meinung oder sporadischen Protest. Soziologisch gesprochen, bildet sich um die AfD ein stabiles Milieu aus unterer Mittelschicht und etablierten Aufsteigern heraus. Denn die Angst vor Wohlstandsverlusten findet in der anhaltenden Zuwanderung oder auch in der Digitalisierung des Arbeitslebens immer wieder neue Nahrung.

Auffällig ist, dass die AfD vor allem auf dem Land und im Osten Deutschlands viele Stimmen geholt hat.

Wir wissen aus allen Ländern, ob in Frankreich oder Polen, ob in den USA oder hierzulande: Mit dem Rückzug öffentlicher Güter und Dienstleistungen aus der Fläche wachsen antidemokratische Tendenzen. Denn lokale Demokratie braucht sichtbare Institutionen und Menschen, die diese Institutionen tragen. Menschen müssen sich als Teil eines Gemeinwesens erkennen können. In leer laufenden Dörfern fällt das schwer. Und in diese Lücke stoßen Populisten, die sagen: Wir kümmern uns um euch!

Die AfD wird laut den Demoskopen vor allem von älteren Männern gewählt. Was macht sie so anfällig für den Rechtspopulismus?

Der Anteil älterer Männer fällt schon auf. Wahrscheinlich gibt es unter älteren Männern einige, die den Eindruck haben, dass ihre Art und Weise zu leben heute entwertet ist. Die wünschen sich dann Typen wie Putin oder Orban als „echte“ Staatschefs. Aber ob das rechtspopulistisch ist? Autoritäre Sehnsüchte gibt es ja auch bei der „Linken“ – und dort auch bei jüngeren Frauen und Spitzenkandidatinnen, die dann allerdings wieder mit älteren Männern verheiratet sind.

Kann der Föderalismus ein geeignetes Instrument sein, um dem Rechtspopulismus zu begegnen?

Auf jeden Fall hilft es, lokale Demokratie zu stärken! Es fällt ja auch auf, dass unter den bürgerschaftlich Engagierten kaum AfD-Wähler zu finden sind. Die Bereitschaft, sich für andere zu engagieren, verträgt sich nicht mit der Bereitschaft, AfD zu wählen.

Spricht man mit AfD-Wählern, dann ist viel von Enttäuschung über die CDU und Kanzlerin Angela Merkel die Rede.

Die Besonnenheit der Kanzlerin, ihr demonstrativer Pragmatismus, aber auch ihre Liberalität und Unbestechlichkeit provozieren offensichtlich all jene, die sich Politik als einen Akt der nationalen Autorität und der starken Worte wünschen.

Soll man die AfD künftig ignorieren oder  abwarten, bis sich die Partei selbst zerlegt?

Ignorieren kann man sie nicht. Die Strategie, auf ihre Selbstzerstörung zu hoffen, wird nicht aufgehen. Am souveränsten wäre, sich nicht provozieren zu lassen.

Von Thomas Nagel

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