Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Politik Dem Erfinder des Döners schmeckt sein Gericht nicht mehr
Nachrichten Politik Dem Erfinder des Döners schmeckt sein Gericht nicht mehr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:10 26.09.2011
Von Dirk Schmaler
Der Vater des Döners: Kadir Nurman hat seiner Erfindung abgeschworen. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

"Meiner Meinung nach sind zu viele Zutaten in den Dönern“, sagt der 78-jährige Kadir Nurman, der am Wochenende bei der Dönermesse Döga (Motto: „Die Welt liebt Döner“) in Berlin für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde.

1972 kam der türkische Einwanderer auf die Idee, das Fleisch vom Kebab-Spieß nicht auf einem Teller, sondern in einem Brot zu servieren – und so die hektischen Westberliner vorm Bahnhof Zoo mit einer schnellen Mahlzeit zu versorgen. Ein handelsübliches Brötchen, Hackfleisch, Zwiebeln und ein bisschen grüner Salat – das war alles, was Nurman für seinen Imbiss brauchte. In zwei Jahrzehnten wurde das einstige türkische Festessen so zum Snack für hektische Großstädter in ganz Europa.

Anzeige

Doch der Erfolg hat den Döner verändert – zum Ärger seines Erfinders. „Wenn das Fleisch gut ist, braucht man keine Tomaten oder Gewürze“, kritisiert Nurman – und rechnet in einem Interview mit seinen Kollegen ab. Auch Hähnchenfleisch habe in dem Fladenbrot nichts zu suchen: „Das ist kein echter Döner“, sagt Nurman. Er selbst esse Döner deshalb schon seit Jahren nur noch, wenn er ihn für seine Nichten auf Kindergeburtstagen selbst zubereitet – nach seinem alten Rezept. Und, wen wundert es: „Da schmeckt er mir.“

Die Branche wird die Kritik ihres kulinarischen Ziehvaters wohl verkraften. Denn wirtschaftlich steht die Dönerindustrie trotz Biotrend und Fleischskandalen gut da. Mittlerweile machen die Dönerbuden in Deutschland mit rund drei Milliarden Euro mehr als doppelt so viel Umsatz wie alle McDonald’s-Filialen des Landes. 16 000 Dönerbuden sorgen für Zehntausende Arbeitsplätze. Und rund 50 Betriebe der deutschen Döner­industrie beliefern nach Angaben des Branchenverbandes 80 Prozent des EU-Markts. 600 Tonnen Fleisch steckten sie pro Tag auf die Spieße.

Dönerpurist Nurman hat allerdings nichts davon, dass der Döner heute in ganz Europa an jeder Ecke feilgeboten wird. Er hat sich seine Erfindung nie als Marke schützen lassen und lebt nun nach eigenen Angaben von einer äußerst kleinen Rente. Einen Imbiss betreibt er auch nicht mehr. Trotz offensichtlicher Defizite in Sachen Geschäftstüchtigkeit hat der Dönererfinder aber auch in finanziellen Dingen noch einen Rat für seine Nachahmer. „Meine Landsleute sind keine guten Geschäftsleute“, sagt er. Mit all den vielen Zutaten müsse ein Döner statt 2,50 Euro eher fünf Euro kosten. Seine ersten Döner hat Nurman selbst in den Siebzigern für den Kampfpreis von 1,50 Mark verkauft. Aber da war ja auch viel weniger drin.

Politik HAZ-Interview mit Viviane Reding - Die sechs AAA-Staaten als Fels in der Brandung
23.09.2011
Michael B. Berger 16.09.2011